Pandemie: Otto-Chef prüft staatliche Hilfen -“Haben kein Geld zu verschenken”

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Sie haben in den letzten Wochen so viele elektrische Haarschneider verkauft wie nie zuvor, außerdem eine Menge Spielwaren und Elektronik: Die Otto Group beobachtet in der Coronavirus-Krise ein stark verändertes Nachfrageverhalten ihrer Kunden. Chef Alexander Birken wundert sich im Interview mit der “Zeit” vor allem über das enorme Interesse an einer Produktkategorie: “Was erstaunlich war: Wie groß der Bedarf an Kühl- und Gefriergeräten ist. Bei den Gefriergeräten hatten wir ein Plus von 300 Prozent.”

Der Käufer möchte eben sicher sein, dass der Hamsterkauf nicht schlecht wird, wenn man sich schon absichert. Außerdem scheint der Kunde nicht mehr an den Sommerurlaub 2020 zu glauben. Birken gegenüber der “Zeit”: “Fashion und Badekleidung wurden deutlich weniger nachgefragt, dafür sehr viel bequeme Textilprodukte.” Essen in der Jogging-Hose – die Quarantäne bringt wohl nicht unbedingt das Beste im Menschen hervor.

Auch Online-Handel läuft nur in einigen Segmenten gut

Klar ist laut Birken aber auch: Die Wünsche der Kunden verändern sich laufend. Darauf zu reagieren ist nicht immer einfach, sagt der Otto-Chef. Was weltweit ausverkauft ist, kann auch er nicht bereitstellen.

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Dennoch sagt Birken, sein Unternehmen sei weit weniger hart getroffen worden als rein stationäre Händler. Als Krisengewinner möchte er sich dennoch nicht sehen: “Wir haben weltweit auch etliche Ladengeschäfte, deren Schließung uns getroffen hat. Und wenn der Online-Handel nur in einigen Segmenten gut läuft, in anderen aber gar nicht, dann trifft uns das ebenfalls. Bei der Saisonmode etwa müssen wir uns auf hohe Rabatte einstellen. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten durch die gesundheitliche Vorsorge für Mitarbeiter und Kunden, die wir sehr ernst nehmen.”

Otto will gestärkt aus Krise hervorgehen

Trotz dieser Bedenken wagt Birken die Prognose, Otto werde gestärkt aus der Krise gehen. Sorge bereitet ihm eher die Angebotsseite – Bangladesch oder Indien befinden sich im Lockdown, Chinas Wirtschaft fährt erst wieder hoch. Das kann auch für Otto zu Engpässen führen.

Einige Mitarbeiter in den stationären Läden hat Birken bereits in Kurzarbeit geschickt. Obwohl es dem Unternehmen noch gut geht, sieht der Chef kein Problem darin, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen: “Wir haben alle kein Geld zu verschenken.” Birken will nicht ausschließen, dass seine Firma ein KfW-Darlehen benötigt, wenn die Krise anhält.Vorerst gilt bei Otto aber nur ein Einstellungsstopp.

Immerhin: Bei der Miete ist das Unternehmen in vielen Fällen schon einmal fein heraus. “Unsere Vermieter kommen uns in vielen Fällen entgegen und sagen: Wo ihr wirklich kein Geschäft mehr machen könnt, teilen wir das Leid. Das ist ein sehr fairer Umgang miteinander”, erklärt Birken. Und vergisst nicht, zu betonen, dass Otto Vermieter selbstverständlich vollständig bezahlt, deren Existenz an den Einnahmen hängt.

Lieferanten und deren Mitarbeiter lässt Otto nach Aussage Birkens auch nicht hängen. Bereits produzierte Ware werde abgenommen, man plane, sich am Rettungsschirm für Lohnausfälle zu beteiligen, der im Entwicklungsministerium ausgearbeitet wird. Birken: “Indische Wanderarbeiter und afrikanische Baumwollbauern unterstützen wir mit Hilfspaketen. Für diese Menschen geht es schlicht ums Überleben.”

“Menschen ändern ihr Verhalten nicht erst seit Corona”

Stationäre Händler, die jetzt auf den Online-Handel einprügeln, weil er ihnen Kunden wegnehme, versteht Birken nicht. Schuld seien die Ladenbetreiber zumindest zum Teil selbst: “Die Menschen ändern ihr Verhalten nicht erst seit der Corona-Krise. Deshalb sind wir seit vielen Jahren dabei, unsere Geschäftsmodelle weltweit zu digitalisieren. Das müssen andere Händler auch längst tun.”

Otto versucht sich gerade am Aufbau einer Plattform, auf der Händler ihre Ware anbieten können. Ein wenig später als die Kollegen von Amazon, aber laut Birken läuft das Projekt – trotz der einen oder anderen “technologischen und kulturellen Herausforderung”. 500 Händler nutzen das Angebot seiner Aussage nach bereits.

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Angst vor der Konkurrenz von Amazon hat Birken nicht: “Sieben Millionen Kunden kaufen aktuell bei Otto, seit zehn Jahren wachsen unsere Umsätze. In einigen Bereichen wie Möbel und Wohnaccessoires sind wir absoluter Marktführer. Hinzu kommt: Wir spüren, dass es für unsere Kunden wichtiger wird, bei einem persönlichen, fairen und nachhaltigen Unternehmen zu kaufen. Und dafür stehen wir.”

Auch alle Lieferanten durchliefen eine umfangreiche Prüfung hinsichtlich fairer Bedingungen für Mitarbeiter und nachhaltiger Ausrichtung. Wer eine schlechte Bewertung bekomme, dem werde die Zusammenarbeit gekündigt.

“Haben nichts dagegen, wenn weniger gekauft wird”

Zudem strebt Otto an, klimaneutral zu produzieren. Bis 2030 soll dies umgesetzt sein. Corona habe einige Pläne dazu um wenige Monate verzögert, aber das übergeordnete Ziel ist laut Birken nicht in Gefahr. Allein in der Zeit von 2006 bis 2020 habe Otto die CO2-Emissionen um 50 Prozent reduziert – ohne Zertifikate zu kaufen. Dass die Krise die Menschen ohnehin zu bewussterem Konsum erzieht, glaubt Birken ebenfalls – und begrüßt den Trend: “Wir haben nichts dagegen, wenn weniger gekauft wird, dafür qualitativ hochwertiger. Darin steckt für uns eine Chance.”

Sein eigener bester Kunde will Birken übrigens nicht werden: Er braucht keinen aktuell so stark nachgefragten elektrischen Haarschneider, hat er doch einen Freund, der Corona bereits überstanden hat und die Frisur professionell im heimischen Badezimmer auf Vordermann bringen kann. Aber vielleicht besteht ja Bedarf an einer Jogginghose oder einer neuen Gefriertruhe.

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