Pandemie: So muss es nach dem wirtschaftlichen Tsunami weitergehen

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Der wirtschaftliche Tsunami wird durch den Shutdown ausgelöst, der eine unmittelbare Kontraktion des privaten Verbrauchs mit sich bringt. Zudem wird die Produktion massiv beeinträchtigt, weil Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen können und Vorprodukte nicht verfügbar sind. Im Gegenzug versuchen die Unternehmen, ihre Lohnkosten zu senken, indem sie Kurzarbeit beantragen und Mitarbeiter entlassen. Das verstärkt die Kontraktion des Verbrauchs, weil die Einkommen der Arbeitnehmer und der Selbständigen zurückgehen.

Verschuldung der Firmen steigt, ihr Eigenkapital schrumpft

Der Tsunami trifft also zunächst auf die Produktions- und Dienstleistungssektoren. Da die Unternehmen weiterhin fixe Zahlungen für Löhne, Mieten, Pachten, Leasing, Zinsen und Tilgung leisten müssen, erleiden sie Verluste. Das treibt die Verschuldung nach oben, das Eigenkapital schrumpft. 

Der Ökonom hat seit August 1992 einen Lehrstuhl für VWL, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen n der Universität Würzburg inne.

Von 2004 bis 2019 beriet Bofinger als einer der „Wirtschaftsweisen“ die Bundesregierung.

Bofinger ist Autor zahlreicher Bücher, u.a. Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten.

 

Neu-Regelung für Kurzarbeitergeld entlastet Lohnzahlungen massiv

Im Idealfall gelingt es dem Staat, die Welle an dieser Stelle zu stoppen. Sehr wirksam ist dabei das Kurzarbeitergeld, das die Unternehmen bei Lohnzahlungen definitiv entlastet. Mit den jetzt beschlossenen Liquiditätshilfen wird es den Unternehmen erleichtert, Kredite zu erhalten, um so weiterhin ihren festen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Da dabei aber die Verschuldung der Unternehmen trotzdem ansteigt, wird die Welle so nicht gebrochen. Für Unternehmen, die bereits ihr gesamtes Eigenkapital eingebüßt haben, kommen solche Maßnahmen ohnehin zu spät.

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Auch Immobiliensektor und Bankbranche bedroht

Wenn Unternehmen, aber auch private Haushalte, nicht mehr in der Lage sind, ihren festen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, erreicht die Welle zunächst den Immobiliensektor, vor allem die Eigentümer von Gewerbeimmobilien. Diese sind dann, wie manche „Häuslebauer“ ihrerseits nicht mehr in der Lage, ihre ausstehenden Kredite ausreichend zu bedienen.  

Und so trifft die Welle auf das Bankensystem, das sich gleichzeitig auch mit notleidenden Krediten aus dem Dienstleistungs- und Produktionssektor konfrontiert sieht. Es besteht somit die Gefahr, dass die Corona-Krise eine zweite große Finanzkrise auslöst.

Staat muss noch mehr Hilfen aufbringen

Dieses Szenarium ist rein hypothetischer Natur. Es verdeutlicht aber, wie wichtig es ist, die Welle so früh wie möglich, also bei den Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen, abzufangen. Dies erfordert mehr als Liquiditätshilfen, die zwar laufende Zahlungen ermöglichen, aber nichts an den massiven Schäden bei den Unternehmensbilanzen ändern. Benötigt werden direkte staatliche Transfers, insbesondere in der Form der Rückerstattung bereits gezahlter Steuern. Nur so kann eine steigende Verschuldung in diesem Sektor mit ihren gefährlichen Folgewirkungen für die übrigen Sektoren der Wirtschaft verhindert werden. Wichtig sind hierbei die Zuschüsse für Soloselbständige und ganz kleine Unternehmen und die Eigenkapitalhilfen, die die Bundesregierung für größere Unternehmen beschlossen hat. Bisher fehlt es aber an entsprechenden Hilfen für den kleinen und mittleren Unternehmen mit elf bis 250 Mitarbeitern. 

Privathaushalte werden Einkommens- und Vermögensverluste erleiden

Eine Bazooka, die mit direkten Transfers die Bilanzen der Unternehmen stabilisiert, wird zusätzliche staatliche Mittel erfordern. Der Staat würde jedoch finanziell noch sehr viel mehr gefordert, wenn der Tsunami ungebremst einen Sektor nach dem anderen überfluten würde.

Doch selbst wenn es gelingt, die Welle früh zu brechen, was für den deutschen Staat durchaus möglich ist, dürfte der Neustart nicht leicht werden. Es wird nicht völlig zu vermeiden sein, dass private Haushalte deutliche Einkommen- und Vermögensverluste erleiden und dass sich die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen verschlechtert. Zudem war die Lage der deutschen Wirtschaft schon im vergangenen Jahr alles andere als rosig. Vor allem der Automobilsektor musste erhebliche Produktionsrückgänge hinnehmen.

Beim Neustart brauchen notleidende Branchen Steuererleichterungen

Ein dynamischer Neustart wird also ohne staatliche Hilfen kaum möglich sein. Hilfreich wären zunächst Maßnahmen, die den Sektoren helfen, die vom Shutdown besonders betroffen sind, also insbesondere die Gastronomie und der stationäre Einzelhandel. Hier wäre eine temporäre Reduktion der Mehrwertsteuer zu denken. Zu Stärkung der Kauffreude der privaten Haushalte könnte man zudem eine für 2020 rückwirkende Senkung des Solidaritätszuschlags vornehmen, wie sie für 2021 geplant ist. Das wäre zielgerichteter und administrativ einfach zu bewerkstelligen als das viel zitierte Helikoptergeld.

Staat muss Sofortabschreibung und Investitionszulagen ermöglichen

Damit es den geschwächten Unternehmen erleichtert wird, wieder zu investieren, sollte man Unternehmen, die noch Gewinne erzielen, eine Sofortabschreibung von 100 Prozent ermöglichen. Für Unternehmen im Verlustbereich könnte man an eine staatliche Investitionszulage in Höhe von 20 Prozent denken, die im Laufe von zehn Jahren wieder zurückbezahlt werden muss. Bei Zinsen unter Null wären diese Maßnahmen für den Fiskus ein „free-lunch“. Sie würden Unternehmen, die sich nach dem Shutdown schwertun, zusätzliche Kredite zu erhalten, eine willkommene Liquiditätshilfe bieten. Man könnte die Zulage davon abhängig machen, dass Investitionen vorgenommen werden, die der ökologischen Transformation dienen. Hierfür wäre auch eine stärkere Förderung des Erwerbs von Elektroautos und Plug-in-Hybridmobilen hilfreich.

Flächendeckende Überschuldung muss verhindert werden

Für die Perspektiven der deutschen Wirtschaft nach dem Shutdown sind somit zwei Faktoren entscheidend: Zum einen kommt es darauf an, die Schäden auf den Bereich der Produktions- und Dienstleistungsunternehmen möglichst zu begrenzen und ein Überspringen auf den Immobilien- und dann den Finanzsektor zu vermeiden. Das setzt voraus, dass neben der Bazooka der Liquiditätshilfen eine Bazooka mit umfangreichen direkten staatlichen Transfers in der Form negativer Steuern gestellt wird. Nur so kann eine flächendeckende Überschuldung vermieden werden. Zudem bedarf es in der Phase nach dem Shutdown eines kräftigen staatlichen Anschubs vor allem durch Steuererleichterungen, so dass wir möglichst schnell wieder in eine Normallage unserer Wirtschaft kommen.

Teuerste Lösung wäre ein Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft

All das wird erhebliche staatliche Mittel erfordern. Aber es wäre naiv zu glauben, dass es dafür eine Alternative gibt. Die teuerste Lösung wäre ein systemischer Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft schon während der Shutdown-Phase und eine sich daran anschließende lange Schwächephase mit hoher Arbeitslosigkeit und einer anämischen Investitionsentwicklung. Dann hätte die Krise uns nicht nur temporär, sondern auch langfristig um unseren Wohlstand gebracht.

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