Regierungskritischer Chefredakteur entlassen | Aktuell Europa | DW

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Der Chefredakteur von Ungarns größter unabhängiger Nachrichten-Website “Index” ist entlassen worden. Stiftungspräsident Laszlo Bodolai, der hinter dem Verlag steht, erklärte, Szabolcs Dull habe die Kündigung erhalten, weil er interne Dokumente an andere Medien weitergegeben habe. Die politische Unabhängigkeit von “Index” sei nicht in Gefahr.

Rund 100 “Index”-Journalisten protestierten gegen die Entlassung ihres Chefredakteurs. In einem offenen Brief schrieben sie, Dull sei gefeuert worden, weil er klar gemacht habe, “dass er nicht vor Erpressung einknickt”. Der Journalist Daniel Szalay sagte der Nachrichtenagentur AFP, viele Mitarbeiter wollten nun aus Protest den Verlag verlassen. “Die Frage ist, wohin sie gehen, da die ungarische Medienlandschaft unter politischem Druck steht”, sagte er. Die meisten Nachrichten-Websites stünden unter dem Einfluss der Regierung.

“Enormer Druck von außen”

Dull, der als Kritiker des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban gilt, hatte im Juni gegen eine geplante Umstrukturierung des Verlags protestiert. In einem Beitrag beklagte er “enormen Druck von außen” auf die Website.

“Index” ist das am meisten besuchte Nachrichtenportal in Ungarn und eine der letzten unabhängigen Stimmen der Medienlandschaft. Das Betreiberunternehmen gelangte vor drei Jahren in den Besitz von Unternehmern, die Orbans Fidesz-Partei nahestehen. Die zwischengeschaltete Stiftung sollte gleichwohl die Unabhängigkeit von “Index” garantieren. Dann jedoch wurde das Anzeigengeschäft ausgegliedert und der direkten Kontrolle der Eigentümer unterstellt.

Übernahme durch regierungsnahe Kreise?

Vor einem Monat forderten die Besitzer von Stiftung, Geschäftsführung und Redaktion eine regierungsfreundlichere Berichterstattung. Dull trat daraufhin aus der Geschäftsleitung aus, blieb aber zunächst Chefredakteur. Seine jetzige Entlassung gilt Beobachtern als Signal, dass regierungsnahe Kreise das Portal vollständig unter ihre Kontrolle bringen könnten.

Ministerpräsident Orban hatte schon 2010 mittels einer Reform einen Großteil der Medien dem Regierungseinfluss unterstellt. In der Rangliste der  Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht Ungarn inzwischen nur noch auf Platz 89 von 180.

jj/sti (dpa, afp)



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