Rente, Job, Zinsen: Was der Virus-Crash für Ihr Geld bedeutet

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FOCUS Online: Experten sprechen von Rezession, historischem Einbruch, massiven Verlusten der Wirtschaft, wenn es um die Konsequenzen der Coronavirus-Krise geht. Was kostet die Krise den Einzelnen?

Jens Südekum: Das Ifo-Institut schätzt, dass eine Woche Lockdown Deutschland zirka 35 Milliarden Euro kostet. Das sind 5 Milliarden Euro pro Tag. Bei einer Bevölkerung von 83 Millionen Menschen ergeben sich pro Kopf Verluste von 60 Euro täglich. Aber natürlich ist das nur eine rein rechnerische Größe. Viele Menschen trifft die Krise noch deutlich härter. Wenn Firmen insolvent gehen und die Angestellten ihren Arbeitsplatz verlieren, dann sind die Einbußen weit schlimmer als 60 Euro pro Tag.

Gastronomie, Tourismus, Einzelhandel mit dramatischen Zahlen

FOCUS Online: Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Arbeitsmarkt?

Südekum: Das beherzte Eingreifen der Regierung hat das Schlimmste für den Moment verhindert. Die Kurzarbeit ist der erste wichtige Sicherheitspuffer gegen die Krise. Man muss auf die USA schauen, wo es keine solche Regelung gibt. Dort geht die Arbeitslosenquote auf 20 Prozent zu. Diese Entwicklung hätten wir in Deutschland ohne Kurzarbeit auch. 

Zeitgleich haben wir die Liquiditätshilfen für Unternehmen: KfW-Kredite, die sehr gut angenommen werden.

Die große Frage ist, wie lange diese Instrumente tragen, wie lange Unternehmen ohne Einnahmen durchhalten. Umfragen bestätigen, dass gerade kleine und mittlere Betriebe nicht länger als drei Monate überleben können. Wenn Firmen in größerer Zahl Insolvenz anmelden, dann werden auch die Arbeitsmarktprobleme größer.

Alle Informationen zum Coronavirus finden Sie  im News-Ticker von FOCUS Online

FOCUS Online: Welche Branchen sind besonders betroffen?

Südekum: Auf jeden Fall die Gastronomie, der Einzelhandel und der Tourismus. Diese Branchen leiden direkt unter den staatlich verordneten Lockdown-Maßnahmen. Hier sind die Zahlen schon jetzt dramatisch. Die Industrie kommt in Teilen dazu, die Prognosen der Automobilhersteller sind alles andere als erfreulich. Kommt es zu Insolvenzen, dann sind in diesen Bereichen einfach viele Arbeitsplätze weg.

„Es gibt zielgenauere Hilfen als Steuersenkungen“

FOCUS Online: Könnte der Staat nicht mit Steuersenkungen den Konsum ankurbeln?

Südekum: Eine Senkung der Mehrwertsteuer wäre sicher eine Möglichkeit, besonders betroffenen Branchen zu helfen. Preissenkungen funktionieren aber nur, wenn Kunden auch tatsächlich konsumieren wollen und nicht ganz grundsätzlich verunsichert sind.

Man muss überlegen, ob Steuersenkungen das beste Instrument sind, oder ob es zielgenauere Hilfen gibt. Eine Überlegung wäre es, Unternehmen nicht nur Kredite anzubieten und sie damit letztlich in die Überschuldung zu führen, sondern branchenübergreifend auch echte Zuschüsse nach einheitlichen Kriterien zu gewähren. Anders als bei Steuersenkungen läuft man damit nicht Gefahr, dass die Erleichterungen am ehesten da ankommen, wo die Lobbyisten am besten organisiert sind.

FOCUS Online: Auf der anderen Seite werden Rufe nach einer Vermögensabgabe laut, einem „Corona-Soli“ für Gutverdiener. Hat ein solches Modell eine realistische Chance, umgesetzt zu werden?

Südekum: Die Diskussion um die Vermögensabgabe halte ich eher für symbolisch. Die Einnahmen, die man von so einem „Corona-Soli“ erwarten kann, sind nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Für die Finanzierung der Krise braucht es andere Instrumente. Es geht hier um mehrere 100 Milliarden Euro. Wir müssen langfristig mit einer höheren Staatsverschuldung leben und diese akzeptieren. Nach der Akutphase der Krise müssen wir dann versuchen, die Schuldenquote durch Wachstum langsam zu senken – ohne übereilte Konsolidierungsmaßnahmen.

Das kann gelingen, auch dank des niedrigen Zinsniveaus in Europa. Die Zinsen werden auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Das müssen wir nutzen, um die Schulden zu finanzieren: durch Überwälzen der Staatsverschuldung, dem Herauswachsen aus dem Problem.

FOCUS Online: Vor Steuererhöhungen wegen der hohen Staatsschulden müssen wir uns erst einmal nicht fürchten?

Südekum: Wenn es nach mir geht, dann nicht.

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„Sparer haben kein Grundrecht auf positive Zinsen“

FOCUS Online: Der Sparer sieht niedrige Zinsen weniger gerne als Sie. Was sagen Sie denjenigen, die sich beschweren?

Südekum: Wenn ich als Sparer glaube, dass ich ein Grundrecht auf positive Realzinsen auf dem Sparbuch habe, dann war ich mit dieser Annahme schon immer schlecht beraten. Auch wenn die nominalen Zinsen in der Vergangenheit höher gewesen sein mögen, die Inflation war es auch. Der Realzins für risikolose Anlagen war in der Regel negativ.

Geld- und Fiskalpolitik in Europa können sich nicht nach dem Ziel ausrichten, bestimmten Sparsegmenten höhere Zinsen zu gewähren. Es gibt schließlich andere Anlageformen. Ich würde jedem raten, sich einmal mit ETFs oder Aktien auseinandersetzen.

“2020 gibt es bei der Rente noch eine saftige Erhöhung”

FOCUS Online: Welchen Einfluss hat die Krise auf die Renten?

Südekum: Erstmal nur einen geringen – kein Rentner hat bisher eine Kürzung wegen Corona hinnehmen müssen. Die Rentenentwicklung orientiert sich an der allgemeinen Lohnentwicklung. Für das Jahr 2020 bedeutet das also noch eine saftige Erhöhung. Aber diese Erhöhung verursacht auch steigende Ausgaben der Rentenkassen, während die Einnahmen wegen Corona sinken. So entsteht künftig ein Loch in der Rentenkasse. Das merkt der einzelne Rentner heuer aber noch nicht.

Klar ist allerdings: Je nachdem wie stark der Arbeitsmarkt leidet, leidet auch die Lohnentwicklung. Das wiederum wirkt sich in geringeren Zuwachsraten auf die Renten aus. Dennoch stehen Rentner im Vergleich zu anderen Gruppen wie Solo-Selbständigen relativ gut da.

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FOCUS Online: Sind Lohnerhöhungen wegen der Krise vom Tisch?

Südekum: Ja, ich fürchte auf absehbare Zeit werden wir am Arbeitsmarkt kaum spürbaren Lohndruck sehen. Auch um die Neueinstellungen mache ich mir große Sorgen, denn überschuldete Unternehmen investieren nicht. Das alles deutet darauf hin, dass wir uns fürs Erste auf deflationäre Zeiten einstellen müssen.

“Kürzungsdebatten sind völlig kontraproduktiv”

FOCUS Online: Wie bewerten Sie Forderungen, dass Rentner in die Pflicht genommen werden sollten, um die Folgen der Krise abzufedern?

Südekum: Solchen Ideen stehe ich skeptisch gegenüber. Rentenkürzungen durchzusetzen, um damit Schulden zu bezahlen, geht aus meiner Sicht in die komplett falsche Richtung. Wir müssen in den kommenden Jahren die Wirtschaft wieder in Gang bekommen und gegen eine Deflation ankämpfen. Da ist es absolut nicht an der Zeit, über Kürzungen zu diskutieren oder zu verlangen, dass einzelne Bevölkerungsgruppen den Gürtel enger schnallen. Gerade Kürzungen bei den Empfängern niedriger Renten schlagen doch voll auf den Konsum und die Nachfrage durch. Das ist genau das, was wir nicht brauchen.

Wie bereits gesagt: Wir müssen den Schuldenstand akzeptieren und in der Fiskalpolitik weiter einen expansiven Kurs fahren, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Haben wir das geschafft, erledigt sich wegen der günstigen Zinskonditionen ein Teil der Probleme von selbst und wir müssen nicht anfangen, Kürzungsdebatten zu führen, die in der jetzigen Situation völlig kontraproduktiv sind.

FOCUS Online: Wo stehen Sie in der aktuellen Debatte um die Lockerung des Shutdowns?

Südekum: Ich kann die Forderungen nach Lockerungen nachvollziehen. Wir haben aber bereits erste Schritte hin zu Öffnung gemacht. Man muss differenzieren: Großveranstaltungen sind natürlich weiterhin unverantwortlich. Im Einzelhandel sind Lockerungen aber durchaus mit beherrschbarem medizinischem Risiko zu machen.

Heute ist aber jede Entscheidung – Lockerung ja oder nein – immer mit größten Unsicherheiten verbunden. Denn die Auswirkungen lassen sich bloß erahnen, aber es gibt kaum verlässliche Studien dazu. Das muss sich ändern. Wir brauchen massive Kapazitäten für weitere Forschung. Vor allem mehr Tests in repräsentativen Stichproben der Bevölkerung. Leider hat das Robert-Koch-Institut an dieser Stelle viel zu lange gebremst. Aber nur dann besteht die Chance, die Auswirkungen konkreter Lockerungsmaßnahmen zeitnah messen zu können. Und nur so kann man auf informierter Basis Entscheidungen treffen. Das muss höchste Priorität haben.

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