Rente: Star-Ökonom warnt – Ruheständlern drohen zwei Nullrunden

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Rentenversicherung: Star-Ökonom Raffelhüschen: Rentner müssen sich auf zwei Nullrunden einstellen

Renten-Experte Raffelhüschen hält infolge der Corona-Krise zwei Nullrunden bei der Rente für möglich. Die jüngste Rentenerhöhung zum 1. Juli fiel mit rund vier Prozent üppig aus. Doch diese Zeiten scheinen erst einmal vorbei, wenn Raffelhüschen Recht behält. Um die Rentenversicherung zu stärken, macht der Experte einen brisanten Vorschlag.

 „2021 dürfte es eine Nullrunde geben. 2022 könnte es eine weitere Nullrunde geben, wenn sich der Wachstumseinbruch noch lange hinzieht und wir eine U-förmige Konjunkturentwicklung erleben“, sagte Freiburger Rentenexperte Bernd Raffelhüschen der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vom Dienstag.

Er forderte angesichts der Corona-Krise aber auch, Rentenkürzungen zuzulassen: „Wenn Millionen Kurzarbeiter auf Lohn verzichten und Millionen ihren Job verlieren, sollten auch Rentner und Pensionäre ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten.“

Raffelhüschen will sogenannte Rentenformel ändern

Konkret regte der Freiburger Ökonom an, die Rentenformel wieder so zu gestalten wie 2003 von der Rürup-Kommission vorgeschlagen: „Wenn die Löhne sinken, müssen auch die Renten sinken. Und wenn man das politisch nicht will, sollten ausgefallene Rentensenkungen wenigstens in späteren Jahren nachgeholt werden.“ Dazu müsse der Nachholfaktor wieder eingeführt werden.

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Hintergrund „Nachholfaktor“: Die Rentenanpassungsformel schreibt vor, dass die jährliche Rentenerhöhung grundsätzlich der Lohnentwicklung folgt. Deshalb gab es zum 1.7.2020 eine hohes Rentenplus, weil die Löhne im Vorjahr 2019 spürbar stiegen. Der „Nachholfaktor“ sorgt dafür, dass Ruheständler, die in wirtschaftlich eigentlich schlechten Zeiten Rentenerhöhungen erhalten, in späteren guten Zeiten auf einen Teil der Rentenerhöhungen verzichten. Das gilt solange, bis die zuvor vermiedene Rentenkürzung wieder ausgeglichen ist. Der Nachholfaktor wurde im Jahr 2009 ausgesetzt, um Rentner vor Einkommenseinbußen infolge der Weltfinanzkrise zu schützen.

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FDP scheiterte mit Antrag auf Wiedereinsetzung des Nachholfaktors

Neben Bernd Raffelhüschen fordern andere Rentenexperten ebenfalls die Wiedereinsetzung des Nachholfaktors. Auch die FDP kritisiert die aktuelle Regelung. Deshalb stellte die Bundestagsfraktion am 1. Juli den Antrag „Corona-Krise generationengerecht überwinden – Nachholfaktor in der Rentenformel wieder einführen“. Die Oppositionspartei scheiterte an der Bundestagsmehrheit.

Drei Viertel der 18- bis 64-Jährigen leben von eigener Erwerbstätigkeit

Unterdessen teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) mit, dass 74 Prozent aller 18- bis 64-jährigen Bundesbürger ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch ihre eigene Erwerbstätigkeit. Das waren 37,8 Millionen Personen. Unterschiedlich hoch waren die Anteile bei Männern und Frauen: 80 Prozent der Männer und 68 Prozent der Frauen im genannten Alter lebten überwiegend von ihrer Erwerbstätigkeit.

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mbe


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