Richtige Teststrategie für Sars-Cov-2: Experten streiten über weiteres Vorgehen

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Vermutlich haben die Reiserückkehrer aus Risikogebieten das Fass zum Überlaufen gebracht. Es hat sich gezeigt, dass es nicht funktioniert, Tausende am Flughafen oder an der Grenze ohne jeden Unterschied einem Sars-Cov-2-Test zu unterziehen. Die einen erfuhren wochenlang nichts von ihrem positiven Ergebnis, die anderen waren gar nicht mehr greifbar.

Seither wird verschärft diskutiert, wie Tests sinnvoll und ohne Zeit- und Geldverschwendung durchgeführt werden können. Die Meinungen gehen weit auseinander und man kann leicht den Überblick verlieren. Hier sind die wichtigsten Positionen.

Labormediziner klagen: Wertvolle Tests werden bei falscher Zielgruppe verschwendet

Der Verband Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM) fordert wieder ausschließlich gezielte Coronatests. Eine anlasslose Testung würde die Kapazitätsgrenzen der Labore sprengen. Außerdem würden inzwischen schon die nötigen Materialien knapp. Jan Kramer vom Vorstand der ALM sprach von knapp einer Million Sars-CoV-2-Tests in der vergangenen Woche in 155 vom Verband befragten Laboren. Dort gab es bis Montag, 31. August, einen Rückstau von 34.600 Tests.

Und das Ergebnis ist spärlich: Der Anteil positiver Tests betrug in der letzten Augustwoche nur 0,7 Prozent, unter den Reiserückkehrern sogar nur 0,4 Prozent.

Die vom Gesundheitsminister angekündigte Rückkehr zu gezielten Tests sei ein guter Schritt und würde die Labore vor der vermutlich herausfordernden Phase in der kalten Jahreszeit etwas Luft verschaffen. Schließlich brauche man im Winter die knappen PCR-Tests für Grippenachweise.

Laborleiter der Unikliniken Marburg und Gießen: Blindes Testen muss aufhören

Harald Renz, der die Labore der Unikliniken Marburg und Gießen leitet, hat sich in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ äußerst kritisch über die derzeitige Testsituation in Deutschland geäußert. Das sind seine Hauptkritikpunkte – neben der Überforderung der Labore:

  • Durch die anlasslosen Massentestung symptomloser Menschen bekommt man mehr falsche Testergebnisse, sowohl positive als auch negative.  Falsch positiv getestete Menschen müssen grundlos in Quarantäne. Falsch negativ Getestete wiegen sich in Sicherheit, stecken aber andere an.
  • Man muss intelligenter auswählen, wer getestet wird. Eine App mit einem Fragebogen zur individuellen Risikositiation könnte dabei helfen.
  • Ein einmaliger Test genügt oft nicht, wenn er nicht das Zeitfenster für den Virennachweis erwischt. Diese Gefahr ist bei den Tests von Reiserückkehrern groß. Wer sich am letzten Urlaubstag bei einer Party ansteckt, ist beim Flughafen-Test negativ, ein paar Tage später wäre er positiv.
  • Die Proben müssen zügig ausgewertet werden, weil genetisches Material sich abbaut. Das darf nicht liegen bleiben, weil Wochenende ist.
  • Labore arbeiten mit verschiedenen Testverfahren, jedes misst leicht anders. Es bräuchte eine Positivliste für die Routineanwendung vom RKI oder Gesundheitsministerium.

Ergibt das Sinn? Bayern hält an Testmöglichkeit für alle fest

Bayern ist das einzige Bundesland, in dem sich nicht nur Reiserückkehrer freiwillig testen lassen können, sondern jeder, der will. Das sehen viele Experten als Verschwendung von Testkapazitäten, und es läuft auch im Freistaat nicht richtig rund. Von den bis Ende August geplanten 200.000 Tests pro Tag können derzeit nur 55.000 durchgeführt werden. Außerdem musste Gesundheitsministerin Melanie Huml einräumen, dass der Nachschub an Reagenzien derzeit stockt. Trotzdem wolle man an an dem großzügigen Testangebot festhalten.

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Was Virologe Christian Drosten über Tests von Reiserückkehrern zu sagen hat

Die geläufige PCR-Testmethode hat der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité selbst mitentwickelt. Die Aussagekraft des Tests sei aber nicht von den Umständen der Ansteckung zu trennen. Im Zusammenhang mit den pauschalen Tests von Reiserückkehrern aus Risikogebieten sagte Deutschlands Corona-Erklärer in seinem ersten NDR-Podcas: „(Es könnte sich jemand im Ausland angesteckt und dort die Infektion durchgemacht haben.) Den muss man anders betrachten als einen frisch symptomatischen, der vor wenigen Tagen auf einer großen Grillveranstaltung war.“ Beide seien nach PCR-Test positiv – hätten jedoch eine andere Bedeutung für das Infektionsgeschehen.

US-Epidemiologe kritisiert PCR-Test, den auch Deutschland verwendet

Der Epidemiologe Michael Mina von der Universität Havard stellt in der „New York Times“ die in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, genutzten PCR-Tests in Frage. Diese würden im Prinzip nur Ja oder Nein als mögliche Ergebnisse bereitstellen. Dabei passiere es, dass nicht-infektiöse Personen positiv getestet würden und in Quarantäne müssten, obwohl sie niemanden anstecken.

Mina fordert eine andere Teststrategie, welche die Infektiosität berücksichtigt. Dabei geht es um den sogenannten CT-Wert (C. Je höher der Wert, desto geringer die Ansteckungsgefahr beim Getesteten. CT steht für cycle threshold = Zyklusschwelle. Beim PCR-Test wird die Virus-DNA in Zyklen vermehrt. Je weniger davon es bis zum Nachweis braucht, umso höher ist die Virenlast und damit die Ansteckungsgefahr durch den Spender der Probe.

Der US-Mediziner – ebenso wie das RKI – schlägt einen CT-Grenzwert von 30 – 35 für ein Positiv-Ergebnis vor. Bei den verwendeten Tests würde aber auch noch bei 40 das Positiv-Signal aufleuchten.

Welchen großen Unterschied das macht, zeigt ein Beispiel in der „New York Times“: 794 Positiv- Tests habe ein New Yorker Labor im Juli hervorgebracht. Wäre die Schwelle für den Ct-Wert dort auf 35 gesenkt worden, wäre es nur rund die Hälfte gewesen. Bei einem Grenzwert von 30 wären sogar etwa 70 Prozent der positiven Testergebnisse weggefallen.

Testen im Pool – Jenaer Wissenschaftlerin untersucht strategisches Testen

Das Testen im Stil einer Ladung Schrotkugeln halten immer mehr Gesundheitsexperten für wenig zielführend. Doch für das gezielte Testen müsste man zunächst wissen: In welchen Gruppen breitet sich das Virus gerade aus? Wie erkennt man frühzeitig Ausbrüche?

Petra Dickman, Expertin für Public Health und Risikokommunikation von der Universität Jena, hat ein Konzept für strategische Testungen entwickelt, das nun in Thüringen auf die Probe gestellt werden soll.

An sensiblen Orten, wo das Ansteckungsrisiko groß ist, weil viele Menschen in geschlossenen Räumen über längere Zeit zusammen sind, werden stichprobenartig Tests durchgeführt. In Pflegeheimen, Schulen, bei Vereinstreffen oder Gottesdiensten sollen wöchentlich 1200 Proben auf 100.000 Einwohner genommen werden.

Diese werden jedoch nicht einzeln untersucht, sondern kommen im Zehnerpack in sogenannte Pools. Findet sich in dieser Mischung das Virus, werden die einzelnen Teilnehmer nachgetestet. Parallel dazu werden schon Maßnahmen zur Eindämmung getroffen, etwa eine Schulklasse in Heimquarantäne geschickt.

Mit Pooltests könnten Laborkapazitäten und Personal für die Nachverfolgung eingespart werden. Und wenn einmal erprobte Schnelltests statt der zeitraubenden PCR-Tests zur Verfügung stehen, könnte das die strategische Testung noch einmal beschleunigen.

Neuer Corona-Schnelltest liefert Ergebnis nach 15 Minuten

Weniger zu testen oder sich auf Menschen mit Symptomen zu beschränken, halten Mediziner für keine gute Lösung aus dem Überforderungsdilemma zu kommen. Vielmehr könnten Schnelltests die Situation entschärfen, auch wenn sie weniger sensitiv sind als die Labortests. Dabei würden aber vor allem Probanden mit geringer Virenlast, also auch weniger ansteckend, nicht länger „positiv“ als Testergebnis bekommen.

Der schweizerische Pharmakonzern Roche wird noch im laufenden Monat  einen Corona-Antigen-Schnelltestauf den Markt bringen. Bei diesem stehe das Testergebnis in der Regel innerhalb von 15 Minuten fest, teilte das Unternehmen mit.

Der Test soll Ende September zunächst in Europa lanciert werden. Es sei aber geplant, auch in den USA bei der zuständigen Behörde FDA einen Antrag auf Schnellzulassung (Emergency Use Authorisation) zu stellen.

Der Test kann laut Hersteller ohne Laborinfrastruktur mit einem Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt werden und habe eine hohe Zuverlässigkeit. Bei der Markteinführung sollen laut Roche monatlich 40 Millionen Schnelltests zur Verfügung stehen. Diese Kapazität werde sich bis Ende dieses Jahres mehr als verdoppeln.

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