Schweden: Trotz Sonderweg rutschen immer mehr Unternehmen in die Pleite

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Auch wenn Premierminister Stefan Löfven es immer wieder dementiert: Schweden geht in der Corona-Pandemie einen “Sonderweg”. Nur dort wurde in Europa kein Lockdown verhängt, waren Kindertagesstätten, Grundschulen, Geschäfte und Gastronomie immer geöffnet – wenn auch mit Einschränkungen.

Während dieser Weg in Sachen Infektionszahlen kritisch gesehen wurde und noch immer wird, weil die Todeszahlen in dem Land mit 10,2 Millionen Einwohnern signifikant höher sind als zum Beispiel in den skandinavischen Nachbarländern, sollte sich das aber wirtschaftlich auszahlen. Die schwedische Rechnung geht in diesem Punkt aber bislang nicht auf.

Alle aktuellen Entwicklungen in der Wirtschaft finden Sie in unserem News-Ticker zum Corona-Crash.

Prognose korrigiert: Schweden erwartet “größten Einbruch seit 50er-Jahren”

Vergangene Woche korrigierte das unabhängige staatliche Konjunkturinstitut seine Prognose deutlich nach unten. „Wir sehen den größten Einbruch seit den 50er-Jahren“, sagte der Ökonom Eric Spector laut einem Bericht von SVT. Statt einem zuvor erwarteten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um drei Prozent geht man nun von sieben Prozent aus.

Finanzministerin Magdalena Andersson rechnet für 2020 mit einem Minus von weiteren vier Prozent für den Fall, dass die Coronavirus-Krise absehbar überwunden wird. Wenn nicht, drohe ihren Berechnungen zufolge sogar ein Rückgang um zehn Prozent.

Pleitewelle in Schweden: 25 Prozent mehr Firmeninsolvenzen im März

Diese Prognose spiegelt sich auch in den Zahlen der Firmeninsolvenzen wider, die es in Schweden in diesem Jahr gab. Waren es im vergangenen Jahr laut “tradingeconomics” noch 1.833 in den ersten drei Monaten gewesen, hat sich diese Zahl in 2020 auf 2.075 erhöht. Nachdem Januar und Februar relativ ähnlich verliefen wie 2019, sind vor allem die März-Zahlen auffällig.

Mit 795 im März 2020 ist die Zahl der Firme-Konkurse in Schweden um 25 Prozent höher als noch 2019. Nur im Oktober 2019 (804) waren in den vergangenen fünf Jahren mehr Unternehmen betroffen. Dass die Zahl wie im vergangenen Jahr nur bis zum Sommer zunimmt und dann wieder fällt, scheint für 2020 unwahrscheinlich.

Schweden muss sich trotz “Sonderweg” auf eine schwere Rezession einstellen – wie das restliche Europa auch. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2020 einen Rückgang des schwedischen BIP um 6,8 Prozent. Zum Vergleich: Für Deutschland werden 7 Prozent prognostiziert. Überraschend ist dies jedoch nur bedingt.

Problem Exportabhängigkeit: Schweden spürt Europas Leiden deutlich

Schwedens Wirtschaft ist stark abhängig von seinem Export. Große Industriekonzerne wie Automobilproduzent Volvo  oder Bushersteller Scania haben die Produktion erst vor Kurzem wieder hochgefahren. Dabei hatte Volvo verkündet, dass man in Schweden 1300 Stellen streichen werde. Auch die Kürzung von 40 Prozent aller Stellen bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS trifft das Land hart: 1900 Vollzeitjobs in Schweden fallen dann weg.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist allgemein extrem bedrohlich. Laut schwedischem Konjunkturinstitut wird die Arbeitslosenquote im kommenden Jahr auf elf Prozent ansteigen – und das nur, weil der Staat hilft. “Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit sonst rund 15 Prozent liegen dürfte”, so Spector. Auch der IWF erwartet, dass die Quote die zehn Prozent knackt. Im März 2020 lag diese bei 6,7 Prozent.

Die offenen Geschäfte im Land helfen da nur bedingt. Moderiese H&M , der in Stockholm an der Börse notiert ist, macht in Deutschland viermal so viel Umsatz wie in Schweden – hier waren die Filialen aber bis vor wenigen Tagen noch geschlossen. Dennoch verfolgt man den eigenen Weg weiterhin konsequent.

H&M

Epidemiologe Tegnell will Wirtschaft schützen und verteidigt Sonderweg

Schwedens führender Virologe Anders Tegnell gestand zwar, dass man die Todeszahlen unterschätzt habe und Senioren in Alters- und Pflegeheimen früher hätte schützen müssen. Allerdings verwies er auch auf die gesundheitlichen Folgen eines Lockdowns und sagte, dass sich die schwedischen Maßnahmen problemlos lange durchhalten ließen. Er erwartet eine internationale Angleichung der Todesfälle von Ländern mit scharfen Restriktionen.

“Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Lockdowns tatsächlich einen Effekt haben”, sagt auch Regierungsberater und Epidemiologe Johan Giesecke in einem Interview. “Der Unterschied zu Deutschland ist der, dass Deutschland gerade seine Wirtschaft zerstört.” Tegnell stößt ins selbe Horn. “Wir müssen immer auch auf die Wirtschaft schauen. Wir dürfen sie nicht zugrunde fahren.” Ob dieser “Sonderweg” Schwedens Wirtschaft am Ende hilft, bleibt abzuwarten.

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