Social Distancing: Wie es gelingt, wichtigste Anti-Covid-19-Maßnahme umzusetzen

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Allein, aber nicht einsam: Social Distancing: Wie es uns gelingt, die wichtigste Anti-Corona-Maßnahme umzusetzen

Freitag, 20.03.2020, 17:47

Die Corona-Pandemie zwingt unserer Gesellschaft eine nie dagewesene Form der sozialen Isolation auf. Abstand halten, Homeoffice, Zuhausebleiben – so lauten die Prämissen. Unserem menschlichen Naturell entspricht das kaum. Therapeutin Andrea vorm Wald erklärt im Gespräch mit FOCUS Online, wie es uns gelingt, in Zeiten des Social Distancing nicht zu vereinsamen.

FOCUS Online: Warum fällt es uns so schwer, soziale Isolation freiwillig einzugehen?

Andrea vorm Walde: Das liegt daran, dass wir grundsätzlich in Beziehung sein wollen. Wir haben einen ursprünglichen Wunsch, in Bindungen mit anderen zu sein. Und wir sind es gewohnt, unsere Freiheit zu haben.

FOCUS Online: Wie gelingt es uns dann, Abstand zu halten, allein zu bleiben – ohne einsam zu werden?

Vorm Walde: Ich glaube, es wäre schon gut, wenn wir versuchen, das Wort Einsamkeit für die aktuelle Situation aus unserem Wortschatz zu verbannen. Denn eigentlich sind wir es ja nicht. Wir werden eine Zeit lang länger alleine sein, als wir das normalerweise gewohnt sind – aber nicht einsam. Denn wir sind alle in derselben Situation. Wir haben die Möglichkeit uns zu verbinden, in dem wir telefonieren oder skypen und soziale Medien nutzen, um uns auszutauschen.

Jegliche Form von Bewegung hilft

FOCUS Online: Wie können wir uns davon ablenken, dass wir uns alleine fühlen?

Vorm Walde: Es gibt vieles, was wir tun können – und einiges, was wir nicht tun sollten. Das Allerschlimmste ist, den ganzen Tag ununterbrochen Nachrichten zu Corona zu lesen. Oder in Gespräche mit Freunden und Familie zu geraten, in denen sich alle gegenseitig weiter hochschaukeln.

Stattdessen hilft es, Dinge zu tun, sich in irgendeiner Form zu bewegen. Denn motorische Bewegungen versetzen das Gehirn in einen anderen Zustand. Ideal ist es, zuhause Sport zu machen oder Musik anzumachen und zu tanzen. Aber das muss nicht sein. Jede Form von Handlung lenkt den Fokus unseres Gehirns auf etwas anderes. Aufräumen, Putzen, Bücher lesen – alles ist gut. Wichtig ist, dass auch motorisch etwas passiert.

Es tut auch gut, anderen zu helfen. Wer merkt, dass er etwas für andere tun kann, fühlt sich selbst weniger hilflos. Es muss nicht nur das Einkaufen für die älteren Nachbarn sein, wir können auch einfach mal wieder Blumen verschicken oder Geschenke basteln.

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Sollten uns von der Einsamkeits-Angst ablenken

FOCUS Online: Ist es also gut, sich von der Einsamkeits-Angst abzulenken?

Vorm Walde: Wir sollten uns unbedingt davon ablenken – weil es nur ein temporärer Zustand ist. Ich würde diese Antwort nie geben, wenn es um Emotionen wie Trauer um einen nahestehenden Menschen geht. Denn damit müssen wir uns dann auch auseinandersetzen. Aber in unserer aktuellen Lage ist es elementar wichtig, sich abzulenken. Das Schlimmste, was wir machen können, ist uns reinzusteigern. Denn das Gehirn speichert Dinge, die wir immer wieder denken, immer fester ein und umso schlimmer wird das Gefühl. Deswegen ist es auch total legitim, mal zwischendurch einen Tag bewusst keine Nachrichten zu lesen oder zu schauen.

FOCUS Online: Besonders Single-Haushalte und alte Menschen sind jetzt vom Alleinsein betroffen. Wie können diese Menschen damit umgehen?

Vorm Walde: Ich glaube, dass alle Menschen, die noch in einem Alter sind, in dem sie mit dem Internet vertraut sind, besser wegkommen, als andere. Es geht nicht nur ums Telefonieren. Menschen treffen sich in Nachbarschafts-Facebook-Gruppen und kommen dort miteinander ins Gespräch – das hilft. Aber für sehr alte Menschen ist das anders, doch auch für sie gibt es Möglichkeiten. Ich habe beispielsweise einen Aufruf gesehen, wo man seine Telefonnummer hinterlassen kann und sich anbieten, einfach mal mit älteren Menschen zu telefonieren. Aber ich kenne auch 80-Jährige, die sehr gut alleine sein können und nicht oft rausgehen – viele sind das mehr gewohnt als die jüngeren Menschen.

Wir stecken mehr weg, als wir denken

FOCUS Online: Was kann ich tun, wenn mich, trotz all dieser Tipps, Angst und Panik vor dem Alleinsein beschleichen?

Vorm Walde: Wichtig ist zu unterscheiden, zwischen diffuser Angst und wirklicher Panik. Oft haben wir Angst, ohne zu wissen, wovor wir eigentlich konkret Angst haben. Sobald ich Menschen frage, was ihnen genau Angst am Alleinsein macht, können das viele nicht so richtig sagen. In dem Moment, in dem wir darüber nachdenken, wird uns häufig klar, dass vieles gar nicht real ist, vor dem wir Angst haben.

Die Coronavirus-Berichterstattung von FOCUS Online auf Facebook

Etwas anderes ist es, wenn jemand wirklich nun zuhause Panik bekommt, mit Symptomen wie Atemnot, Brustenge oder anderen Symptomen . Dann muss ich versuchen, mir bewusst zu machen, dass ich unbedingt die Einsamkeit unterbrechen muss – und möglichst zum Telefon greifen oder beim Nachbarn klingen. Und sich drauf konzentrieren, zu atmen, eventuell sogar in eine Tüte, und sich klar machen, dass das gerade nichts Körperliches ist, sondern im Kopf entsteht.

Ich betone auch gerne, dass in uns allen deutlich mehr steckt, als wir denken. Ich versuche mit meinen Klienten immer das Positive in ihnen zu finden und mit ihnen daran zu arbeiten, dass das das Negative ersetzt – ich arbeite nicht in erster Linie mit dem Problem. Wenn man immer in Gedanken um die Einsamkeit kreist, dann wird es schlimmer. Aber wir können uns dagegen wehren und haben viel in uns, was wir nicht nutzen. Natürlich findet man das nicht mal eben in fünf Minuten, aber es hilft schon einmal, sich darauf zu besinnen.

Gleichzeitig ist es wichtig, zu verstehen, ob ich professionelle Hilfe brauche – und das auch zu akzeptieren. Ich kann mich auch online nach Coaching-Angeboten umsehen, die mir helfen können, besser mit der Situation umzugehen. Solche Online-Möglichkeiten sind gerade dann eine gute Lösung, solange ich nicht wirklich psychisch krank bin.

Eine Chance, um zu entschleunigen

FOCUS Online: Gibt es auch Positives, das wir dem Alleinsein abgewinnen können?

Vorm Walde: Ja, für mich gibt es zwei Dinge. Das eine ist Solidarität. Die spüre ich daran, wie die Menschen miteinander umgehen, wie sie sich bei der Verkäuferin an der Supermarktkasse bedanken. Und ich glaube, wenn wir die Krise überwunden haben, wird sich einiges geändert haben. Außerdem ist das gerade eine Chance, zu entschleunigen.

 

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Für uns alle – auch Familien sollten das annehmen. Eltern sollten akzeptieren, dass ihre Kinder die nächsten zwei Wochen vielleicht mal nicht so gut für die Schule lernen können und langsamer sind. Und auch für Kinder ist es nicht leicht, sie leiden darunter, ihre Freunde nicht zu sehen. Es hilft, wenn Eltern auch ihren Kindern ermöglichen, via Skype oder Zoom mit ihren Freunden zu telefonieren oder Multiplayerspiele zu spielen – auch wenn das vielleicht sonst verboten ist. Es ist für uns alle ein Ausnahmezustand.

Und das Wichtigste in der Familie ist: Wir sollten uns ineinander hineinversetzen, aber jeder braucht auch mal Zeit für sich, um sich zurückzuziehen. Das müssen wir auch in der aktuellen Situation beherzigen.

Andrea vorm Walde ist Therapeutin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Klienten betreut sie in einer Hamburger Praxis und online. Tipps von ihr gibt es außerdem r egelmäßig auf ihrem Blog www.andreavormwalde.de

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