Star in der Krise: Funktioniert Buffetts Investment-Taktik im Crash nicht mehr?

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125 Milliarden Euro hat Warren Buffett auf der hohen Kante. Von dem Geld könnte er sich gerade Siemens  und BMW  kaufen und hätte noch immer einige Milliarden übrig. Doch der Star-Investor lässt das Geld auf dem Konto von Berkshire Hathaway  liegen. Auf der jährlichen Pressekonferenz vor zwei Wochen machte er bestenfalls Andeutungen zu künftigen Investitionen.

Dabei wäre die Corona-Krise an der Börse die beste Gelegenheit für Buffett zuzugreifen. Gerade erfüllen sich zwei seiner wichtigsten Mantras. Erstens: „Investiere, wenn andere ängstlich sind“ und noch wichtiger: „Kaufe starke Aktien zu Schnäppchenpreisen“.

So funktioniert Value Investing in der Theorie…

Letzteres ist keine Erfindung Buffetts. „Value Investing“ nennt sich der Ansatz, den der US-Amerikaner Joel Greenblatt in den 1970er Jahren entwickelte und den sein gelehriger Schüler Buffett zur Devise einer ganzen Generation von professionellen wie privaten Anlegern machte.

Die Idee dahinter ist simpel: Greenblatt verglich den Aktienkauf mit einem Hauskauf. Bei letzterem würde man sich schließlich sehr genau ansehen, was man da kauft. Ist das Dach dicht? Muss das Parkett neu gemacht werden? Funktioniert die Elektroinstallation noch? In welche Lage steht das Haus? Was kosten andere Häuser in der Straße? – Jetzt Ticket sichern – Heute abend live: Webinar mit Top-Experte zu “Vermögen schützen und mehren mit Gold”

Letztendlich lässt sich nach einer solchen Analyse sagen, ob der Preis für ein Haus gerechtfertigt ist. Gleiches geht bei Aktien. Laien können hier schauen, ob Umsatz und Gewinne eines Konzerns stetig wachsen, Fortgeschrittene vergleichen den aktuellen Kurs mit dem Buchwert oder achten auf Liquidität, Verschuldungsgrad und Eigenkapitalrendite. Profis wie Buffett graben noch viel tiefer. Der Star-Investor aus Omaha sagte einmal, sein Job bestehe hauptsächlich daraus, jeden Tag 500 Seiten Geschäftsbilanzen zu lesen.

Am Ende steht eine Liste von Aktien, die derzeit von der Börse unterbewertet sind. Das kann viele Gründe haben. Vielleicht steht ein Konzern oder eine Branche einfach nicht im Rampenlicht. Vielleicht gibt es aber auch – wie aktuell – eine Börsenkrise, die die Kurse aller Aktien abstürzen lässt – auch solcher, die eigentlich noch gute Arbeit leisten.

… und so scheitert es aktuell in der Praxis

Über Jahrzehnte war der Ansatz des Value Investing der vielversprechendste an der Börse. Buffett schuf sich mit der Methode ein Vermögen von aktuell 68,4 Milliarden Dollar, er gehört seit mehr als 20 Jahren zu den zehn reichsten Menschen der Welt.

Doch der Ansatz funktioniert immer schlechter. Typische Value-Aktien haben nach einer Auswertung der Financial Times in den vergangenen zehn Jahren seit der Finanzkrise nur etwas mehr als halb so gut abgeschnitten wie der US-Leitindex S&P 500. Und auch in der Corona-Krise verloren sie deutlich mehr an Boden als die Börse im Durchschnitt.

Stattdessen dominieren Tech-Aktien die Börse: Amazon , Apple , Alphabet , Microsoft  und Facebook  machen heute fast ein Viertel des S&P 500 aus. Dabei sind alle fünf seit Jahren hoffnungslos überteuert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), ein Indikator dafür, das wievielfache des Gewinns pro Aktie Sie für diese zahlen müssen, lag bei ihnen im Schnitt in den vergangenen fünf Jahren bei 65 – alles über 20 gilt als überteuert.

Mehr zu dem Thema:Tech-Werte dominieren den Markt – Das Schicksal der Börsen hängt an gerade mal fünf Aktien

Selbst jetzt in der Krise übersteigen die Tech-Riesen diesen Wert noch: Amazon kommt aktuell auf einen KGV von 93, Microsoft liegt bei 33, Facebook bei 30, Alphabet bei 26 und Apple bei 24.

Warum Buffetts Strategie keinen Erfolg mehr bringt

Solche Fälle gab es auch in der Vergangenheit. Um die Jahrtausendwende waren Dotcom-Aktie der heiße Scheiß, mit Value-Investing ließ sich wenig Geld verdienen. Dann platzte die Blase und Value-Investoren wie Buffett hatten bis zur Finanzkrise wieder die Nase vorn. Doch nie hat ihr Ansatz so lange nicht funktioniert wie seitdem. Die Verluste, die Berkshire Hathaway für das erste Quartal 2020 vermelden musste – fast 50 Milliarden Dollar – sind höher als jemals in der Firmengeschichte.

Ökonomen haben die Gründe dafür ausgemacht: Erstens sanken Value-Aktien in der Finanzkrise 2009 schwächer als der Markt insgesamt, konnten seitdem also auch nicht so schnell steigen. Zweitens haben sich manche Branchen, besonders im Tech-Bereich, zu Oligopolen entwickelt, bei denen wenige Konzerne dominieren. Klar, Apple mag überteuert sein, aber in den USA und Europa gibt es keinen anderen Smartphone-Konzern, bei dem sich der Aktienkauf lohnt. Einzig Samsung in Südkorea wäre eine Alternative. Gleiches gilt für Amazon, Google und Facebook. Solche Aktien werden also auch zu überteuerten Preisen noch gerne gekauft.

Alle Informationen zum Coronavirus finden Sie im News-Ticker von Focus Online

Zudem bieten solche Konzerne Werte, die sich mit traditionellen Metriken nicht abbilden lassen. Der Wert der Marke iPhone etwa steht in keiner Bilanz, doch die treue Anhängerschaft der Smartphones ist ein Pfund, mit dem Apple wuchern kann. Wenn es diesen Wert durch geschicktes Marketing noch steigert, taucht das höchstens als Ausgabe im Geschäftsbericht auf, es steigert aber nicht den Buchwert des Unternehmens. Der würde eher durch den Bau einer neuen Fabrik beeinflusst.

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Vielleicht ist der Ansatz des „Value Investings“ also immer noch der Richtige. Vielleicht sind nur die Messmethoden dafür veraltet. Dass ein alter Hase wie Warren Buffett das erkennen kann, hat er im Falle von Apple schon bewiesen. Jahrelang weigerte er sich, in den iPhone-Konzern zu investieren. Heute besitzt er 5,7 Prozent der Aktien und lobt Apple über den grünen Klee als eines seiner besten Investments.

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