Statt Inflation oder Deflation: Deutschland könnte ein drittes Szenario drohen

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Unter der Katastrophe machen es Untergangspropheten wie Florian Homm nicht. Der streitbare deutsche Hedgefonds-Manager, bekannt einst als Großaktionär von Borussia Dortmund, veröffentlichte vergangene Woche ein Video, in dem er vor einer Hyperinflation warnt. Ursachen dafür sieht er viele: die Geldflut der Notenbanken, die Corona-Krise, der Handelskrieg zwischen China und den USA.

Etwas besonnener formuliert es Ifo-Chef Clemens Fuest: Die Coronakrise und die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfspakete könnten zu einer „Stagflation“ führen. Das wäre eine Wirtschaftskrise verbunden mit Inflation, etwas, was Deutschland etwa in den 1970er Jahren in der Ölkrise erlebte. Das sei aber ein Extremfall, sagt Fuest. Einer, den man im Hinterkopf behalten solle.

Inflation ist in 22 von 27 EU-Ländern gesunken

Denn alle Daten sprechen bisher gegen eine gestiegene Inflation, im Gegenteil: Im Juli rutschte Deutschland sogar in die Deflation, die Preise sanken gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent. Seit Beginn der Corona-Krise lag die jährliche Inflation noch in keinem Monat bei mehr als einem Prozent. Im Vergleich zur Dekade vor Corona liegt die Teuerungsrate in Deutschland im Schnitt nur halb so hoch bei 0,7 Prozent.

Das ist ein Trend, der sich durch Europa zieht. In 22 von 27 EU-Ländern ist die Inflation in der Krise gesunken, im Schnitt hat sie sich von 1,4 auf 0,7 Prozent halbiert. Lediglich einige Ost-Staaten wie Polen, Ungarn, Bulgarien, Tschechien und die Slowakei verbuchen gestiegene Raten, doch höher als 3,5 Prozent liegt die Inflation nirgendwo. In den USA herrscht sogar eine Preisstagnation, in Japan verteuerten sich die Preise zuletzt um 0,3 Prozent.

Dass die Realität die durchaus plausibel erscheinenden Warnungen vor einer Inflation ignoriert, liegt hauptsächlich daran, dass mehr Kräfte in der Wirtschaft aktiv sind, als es den Anschein hat. Für jede Entwicklung, die für eine höhere Inflation spricht, gibt es eine entsprechende Gegenbewegung, die sie wieder ausbremst. Hier ein Beispiel:

Pro Inflation: Die Geldmenge steigt rasant

Wie viele Zentralbanken hat auch die EZB auf die Corona-Krise mit einer Erhöhung der Geldmenge reagiert. Die wird in drei Stufen gemessen: Die Geldmenge M1 etwa umfasst Bargeld und täglich fällige Einlagen, also zum Beispiel Girokonten. Die höchste Stufe M3 beinhaltet auch alle Anlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren, also zum Beispiel auch viele Kredite und kurzfristige Anleihen.

Beide Geldmengen steigen deutlich: Die jährliche Wachstumsrate lag im Juni bei 12,6 Prozent (M1) beziehungsweise 9,2 Prozent (M3). Solche Wachstumsraten hat es in der Eurozone seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr gegeben. Auch in den USA gibt es eine ähnliche Entwicklung.

Nach der gängigen These von Angebot und Nachfrage müsste eine so starke Erhöhung des Angebots an Geld den Wert desselbigen sinken lassen, sprich, die Inflation ansteigen.

Contra Inflation: Das Geld fließt nicht

Allerdings passiert dies nur, wenn all das zusätzliche Geld auch wirklich im Wirtschaftskreislauf landet, sprich, es auch wirklich zum Angebot steht. Das ist wie bei jedem anderen Gut. Strömt viel Öl auf den Markt, sinkt der Preis. Bunkert aber jemand das zusätzliche Öl und verkauft es nicht, dann ist es zwar vorhanden, wird aber nicht angeboten und wirkt sich nicht auf den Preis aus.

Dasselbe gilt bei der Geldmenge. Zwar gibt es viel mehr Geld auf dem Markt als vor der Corona-Krise, doch das zirkuliert nicht. Dadurch, dass viele Wirtschaftszweige erst komplett geschlossen waren und auch jetzt noch mit Einschränkungen leben müssen, geben Menschen viel weniger Geld aus.

Auch interessant: Preisauftrieb drückt türkische Währung – Lira-Schwäche: Nun warnt sogar Notenbankchef von Erdogans Gnaden vor Inflation

Das wird mit der so genannten Umlaufgeschwindigkeit gemessen. Sie gibt an, wie oft Geld den Besitzer in einem bestimmten Zeitraum wechselt. Mathematisch ist sie der Quotient von Bruttoinlandsprodukt und Geldmenge. Weil ersteres in der Corona-Krise stark gesunken und letztere gestiegen ist, sinkt die Umlaufgeschwindigkeit deutlich.

Was ist nun mit der Stagflation?

Wovor Fuest jetzt etwa warnte, wäre eine Inflation verbunden mit einer wirtschaftlichen Stagnation. So etwas entsteht meist durch einen Angebotsschock, bei dem sich die Preise für ein wichtiges Gut – in den 1970er Jahren das Öl – plötzlich verteuern. Unternehmen verringern daraufhin ihre Produktion, um die höheren Kosten auszugleichen, was das Angebot an Waren verringert. Deren Preise steigen dann (Inflation) während die Wirtschaft auf Grund der geringeren Produktivität nicht wächst (Stagnation).

Eine solche Situation haben wir jetzt nur teilweise. Bisher ist nur der Stagnations-Part erfüllt. Fuest fürchtet nun, dass etwa durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung Bürger genügend Geld in der Tasche haben, um trotz Krise die gleiche Menge an Produkten nachzufragen, die Unternehmen ihre Produktion aber nicht steigern können. Dann würden die Preise eventuell trotzdem steigen.

Dem spricht entgegen, dass die Nachfrage eben auch entsprechend der Produktion eingebrochen ist. Die Deutschen agieren sogar noch vorsichtiger als sonst. Die ING Diba fand in einer Studie heraus, dass hierzulande Privatpersonen alleine im März rund 100 Milliarden Euro mehr horteten als im Februar. Und die Unternehmensberatung BCG ermittelte, dass die Sparquote von Januar bis März auf 16,7 Prozent anstieg. Für das zweite Quartal rechnet sie sogar mit 20 Prozent. Das würde bedeuten, dass Deutsche nur vier von fünf Euro, die sie einnehmen, derzeit auch wieder ausgeben.

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Surftipp: Unterschied erklärt – Inflation und Deflation: Das ist die Bedeutung

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