Stromverbrauch sinkt: Öko-Paradox! Warum wir bald noch mehr zahlen müssen

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Auf Deutsche wartet 2021 höhere Stromrechnung: Öko-Paradox droht: Weil wir kaum Strom verbrauchen, müssen wir bald noch mehr zahlen

Wind und Sonne treiben die Ökostrom-Produktion immer weiter nach oben. Und seit der Corona-Krise verbraucht Deutschland auch noch weniger Strom – weil die Wirtschaft auf Sparflamme fährt. Doch was wie ein Segen für die Umwelt klingt, könnte sich sehr bald als Bumerang für die Verbraucher erweisen.

Der sonnige April hat die Produktion von Solarstrom in Deutschland kräftig nach oben getrieben: Die Photovoltaikanlagen haben insgesamt 6,9 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt, wie Zahlen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen.

Zum Vergleich: Im April des vergangenen Jahres waren es nur 5,6 Milliarden Kilowattstunden. Auch seit Jahresbeginn hat die Solarproduktion damit kräftig zugenommen: Von Januar bis April waren es 17 Prozent mehr als in den ersten vier Monaten 2019.

Stromverbrauch geht wegen Corona stark zurück

Zugleich ist der Stromverbrauch in Deutschland im Zuge der Corona-Krise deutlich gesunken, vor allem weil die Industrie wegen des Corona-Lockdowns ihre Produktion stark drosseln musste. Der durch Homeoffice und Ausgangssperren leicht gestiegene Stromverbrauch in privaten Haushalten fiel im Vergleich dazu verschwindend gering aus.

Insgesamt hat das nach Angaben des BDEW im März zu einem deutlichen Nachfragerückgang geführt. In der letzten Märzwoche lag der Strombedarf 7,4 Prozent unter dem Wert der ersten Märzwoche. In den ersten drei Tagen des April betrug der Rückgang sogar 8,7 Prozent im Vergleich zur ersten Märzwoche.

Strompreis an Strombörse bricht um mehr als 50 Prozent ein

Zusammen hatten die hohe Ökostrom-Produktion und der geringere Verbrauch verheerende Folgen für den Strompreis – jedenfalls am Spotmarkt, also dort, wo die Stromanbieter Strom zu Großhandelspreisen einkaufen, um ihn dann an die Verbraucher weiterzuverkaufen. Hier gab es einen regelrechten Preisschock: Mit durchschnittlich 15,55 Euro je Megawattstunde war der Strompreis im April 2020 mehr als die Hälfte günstiger als im April 2019 (35,38 Euro/MWh). Das entspricht einem Minus von 56 Prozent.

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Sollte sich der Strompreis auf diesem Niveau einpendeln, könnten die Anbieter ihre Ersparnisse theoretisch an ihre Kunden weiterreichen. Dazu sind die meisten allerdings nicht bereit, wie sich bereits vor der Corona-Krise zeigte. Vielmehr erhöhten weitere Anbieter ihre Preise, so dass der durchschnittliche Strompreis von einem Rekordhoch zum nächsten eilt.

Öko-Paradox: Sinkt der Verbrauch, zahlen Verbraucher drauf

Das Problem ist allerdings noch viel größer. Denn der Staat garantiert den Betreibern von EEG-Stromanlagen marktunabhängige Vergütungen. Das bedeutet: Die Betreiber bekommen immer dieselben Beträge, mit denen sie ihre Anlagen finanzieren sollen. Die Kosten dafür zahlen die Stromkunden über die EEG-Umlage. Je tiefer aber der Strompreis fällt, desto höher muss die EEG-Umlage steigen, um die Verluste auszugleichen.

Mit anderen Worten – Deutschland leidet an einem Ökostrom-Paradox: Sinkt der Stromverbrauch und damit die Strompreise im Großhandel, steigt die EEG-Umlage und damit die Kosten für Verbraucher.

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Die konkrete Höhe der EEG-Umlage für das kommende Jahr ermitteln die Übertragungsnetzbetreiber jeweils im Herbst – auf Basis der Entwicklung der vorangegangenen Monate. Eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet erklärte deshalb, für Aussagen über die Höhe der Umlage 2021 sei es noch zu früh.

Knapp acht Milliarden Euro könnten auf dem Öko-Konto fehlen

Doch Experten haben bereits ausgerechnet, was auf Verbraucher zukommen dürfte. Der Energiekostenoptimierer Enplify etwa geht beim Stromverbrauch für Deutschland von einem Rückgang zwischen 5 und 20 Prozent aus, beim durchschnittlichen Börsenpreis sogar zwischen 20 und 30 Prozent.

Je nachdem, wie stark Stromverbrauch und Börsenstrompreis in diesem Jahr sinken werden, erwartet Enplify damit ein Defizit auf dem EEG-Konto zwischen 3,3 und 7,8 Milliarden Euro.

EEG-Umlage müsste auf fast 10 Cent/kWh steigen

Um dieses Defizit auszugleichen, müsste die EEG-Umlage 2021 im kommenden Jahr in einen Preiskorridor von 8,25 bis 9,75 Cent je Kilowattstunde klettern. Derzeit beträgt die EEG-Umlage knapp 6,8 Cent.

Immerhin hat die Politik für das nächste Jahr eine Absenkung der EEG-Umlage aus den Einnahmen des CO2-Preises beschlossen. Doch ob es angesichts der neuen Situation wirklich so kommen wird, ist fraglich. Und selbst dann würde die EEG-Umlage Enplify zufolge um 22 Prozent auf 8,25 Cent je Kilowattstunde steigen.

Experten erwarten 50 Euro Mehrkosten im Jahr für jeden Haushalt

Auf einen ähnlichen Wert kommen die Denkfabrik Agora Energiewende und die IG Bergbau, Chemie, Energie: Sie rechnen jeweils damit, dass die Umlage im kommenden Jahr um 20 Prozent auf deutlich mehr als 8 Cent je Kilowattstunde steigen wird. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden würde dann 50 Euro mehr im Jahr zahlen müssen.

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Die aktuelle Kombination aus coronabedingtem Rückgang des Verbrauchs der Industrie und hoher Ökostromerzeugung werde die EEG-Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien „auf bislang ungekannte Höhen“ steigen lassen, warnte die IG BCE zuletzt.

Experten fordern stärkere Absenkung der EEG-Umlage

Besonders bitter: Schon heute zahlen Verbraucher in Deutschland die höchsten Strompreise in ganz Europa. „Die Politik hat bereits im Zuge der CO2-Preis-Debatte eine Absenkung der EEG-Umlage beschlossen. Angesichts der derzeitigen Prognosen zur Entwicklung der EEG-Umlage muss über eine stärkere Absenkung nachgedacht werden“, fordert Valerian Vogel, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox.

Die Bundesregierung solle die EEG-Umlage früher und stärker als geplant senken, sagt auch Thorsten Lenck, Strommarktexperte bei Agora Energiewende. Die aktuelle Entwicklung zeige, wie wichtig eine Reform der Abgaben und Umlagen auf den Strompreis sei, so Lenck weiter.

Regierung könnte Strom auf mehreren Wegen billiger machen

Genauso sieht es der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Die Corona-Krise lege „die problematische Systematik des EEG-Gesetzes schonungslos offen“, sagt Vassiliadis. Stromverbrauch werde immer mehr auch zum sozialen Faktor, denn Starke und Schwächere würden gleich belastet. Angesichts von Massenkurzarbeit und Jobverlusten müsse das schnell ein Ende haben.

Die Kosten der Energiewende sollten künftig über den Bundeshaushalt getragen werden, forderte Vassiliadis. Tatsächlich hätte die Politik weitere Mittel und Wege, um die Belastung für Verbraucher abzumildern oder sogar zurückzufahren – etwa über die Steuerbelastung, die den Strompreis, den Kunden am Ende zahlen, maßgeblich bestimmt.

Verivox hatte zuletzt berechnet, welche Optionen sich besonders lohnen würden:

  • Die Stromsteuer mache mit 2,05 Cent je Kilowattstunde rund 7 Prozent der Stromrechnung aus. Für einen Durchschnittshaushalt entstünden so Kosten von 73 Euro brutto pro Jahr.
  • Potenzial gebe es auch bei der Mehrwertsteuer. Hier sind bei Strom bisher 19 Prozent auf den Nettopreis fällig, was einem Anteil am Endpreis von 16 Prozent entspricht. Wenn Strom als lebensnotwendiges Gut eingestuft würde und damit unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent fiele, entspräche das einer jährlichen Entlastung von 92 Euro pro Haushalt.

Mehrwertsteuer wird sogar auf Stromsteuer und Abgaben erhoben

Die Stromsteuer kann zwar aufgrund von EU-Regeln nicht gänzlich abgeschafft werden, denn die Europäische Union sieht einen Mindestsatz von 0,1 Cent/kWh für die Stromsteuer vor. Eine entsprechende Senkung würde Haushalte aber immer noch um 70 Euro entlasten, betont Vogel.

Aus Verbrauchersicht „besonders ärgerlich“ sei aber, dass die Mehrwertsteuer auch auf die Stromsteuer sowie sämtliche Umlagen und Abgaben aufgeschlagen wird. „Strom wird damit de facto doppelt besteuert“, so Vogel.

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