Tesla: So zauberte Elon Musk Gewinne mitten in der Krise herbei

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Zahlen nicht so gut, wie es scheint: Magic Musk: Wie der Tesla-Chef Gewinne ohne Autoverkäufe herbeizaubert

Vier Quartale in Folge hat Tesla Gewinne erzielt – ein Meilenstein für den sonst notorisch defizitären Elektroautohersteller. Doch beim zweiten Blick auf die Zahlen fällt Merkwürdiges auf.

Millionen, wo keine erwartet wurden: Für das zweite Quartal meldete der Elektroautobauer Tesla überraschend 104 Millionen Dollar Gewinn. Macht unterm Strich 0,50 US-Dollar je Aktie – in der Gewinnmetrik außerhalb des Bilanzstandards GAAP waren es sogar 451 Millionen Dollar beziehungsweise 2,18 Dollar je Aktie. Analysten hatten, bestenfalls, mit einigen Cent gerechnet, eher aber noch mit Verlusten.

Tesla  toppte diese Erwartungen mühelos. Auch anderweitig wirkten die Zahlen hervorragend, insbesondere für das Quartal, in dem die Coronavirus-Pandemie erst anfing, richtig in den USA zu wüten. So stieg das Betriebsergebnis (Ebitda) um 111 Prozent zum Vorjahresquartal, der GAAP-konforme Gewinn gar um astronomische 550 Prozent zum Vorquartal (im Vorjahr machte Tesla hier noch Verlust).

Bei solchen Gewinnsprüngen stört es kaum, dass der Umsatz zum Vorjahr um fünf Prozent gesunken ist. Liegt hier womöglich aber der Grund dafür, dass die Aktie einen Hüpfer nach den Zahlen machte, dann aber in einen Abwärtstrend schlitterte? Seit Vorlage der Zahlen am Mittwochabend ging’s für die Aktie um elf Prozent abwärts, vom Rekordhoch aus sind es sogar 21,02 Prozent.

Per Definition befindet sich die Aktie damit in einem Bärenmarkt – das Gegenteil dessen, was man als Anleger erwarten würde, wenn ein notorischer Geldverbrenner wie Tesla den vierten Quartalsgewinn in Folge vermeldet. Denn mit diesem Meilenstein qualifizierte sich der Konzern aus Kalifornien sogar für den prestigeträchtigen Aufstieg in den S&P 500.

Teslas Gewinne stammen gar nicht aus dem Verkauf von Stromern

Sicher spielen hier Gewinnmitnahmen eine Rolle. Ein nur etwas tieferer Blick ins Zahlenwerk zeigt aber auch, dass bei Tesla nicht alles so rund läuft, wie es den Anschein hat. Denn die Gewinne, die Tesla vermeldete, stammen gar nicht aus dem Verkauf der Stromer.

Denn von den 5,179 Milliarden Dollar Umsatz der Automobilsparte zwischen April und Juni stammen 428 Millionen Dollar vom Verkauf sogenannter „regulatory credits“ – Punkte, die von diversen US-Staaten wie Kalifornien für umweltfreundliche, emissionsfreie Fahrzeuge vergeben werden. Wer in diesen Bundesstaaten Autos verkaufen will, muss ein Mindestmaß solcher Punkte haben, sonst drohen Strafen von den Behörden.

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Da Tesla nur Stromer herstellt, sammelt der Konzern reichlich Punkte, die er an Wettbewerber weiterverkaufen kann, die noch Punkte brauchen. Das System gleicht damit dem Handel mit Emissionszertifikaten in Europa. Der Clou dabei: Weil Tesla die Punkte umsonst kassiert, kann der Konzern diese mit einer 100-prozentigen Marge weiterverkaufen.

Nie verkaufte Tesla mehr solcher Punkte als im zweiten Quartal. Noch im Vorjahresquartal hatte Tesla mit diesem Geschäft nur 111 Millionen Dollar erlöst, ein Plus von 286 Prozent. Zieht man diese Erlöse vom Netto-Umsatz von 1,267 Milliarden Dollar ab, bleiben nur noch 839 Millionen Dollar – das ist zu wenig, um die operativen Kosten von 940 Millionen Dollar zu decken.

Zahl offener Rechnungen auf Sechs-Jahres-Hoch

Ohne den Punktehandel wäre es mit dem Gewinn also nichts geworden. Die Merkwürdigkeiten in Teslas Zahlenwerk hören hier nicht auf, wie etwa die „Financial Times“ anmerkt. Denn auch bei den sogenannten „accounts receivables“ hat sich im zweiten Quartal etwas getan. Der Begriff bezeichnet noch ausstehende Zahlungen, die, sofern alles sauber ist, Kunden und Geschäftspartnern schon in Rechnung gestellt sind. In diesem Fall dürfen diese Rechnungen bereits als Umsatz bilanziert werden.

Seit Jahren schwankt die Zahl der „accounts receivables“ im Bereich von etwa 20 Prozent des Umsatzes. Im zweiten Quartal jedoch sprang dieses Verhältnis auf 25 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit sechs Jahren, so die „Financial Times“. Anders ausgedrückt: Während die Umsätze insgesamt leicht gesunken sind, hat Tesla offenbar mehr (noch) unbezahlte Rechnungen als Erlöse bilanziert.

Bei Beobachtern hat das zu angehobenen Augenbrauen geführt, denn solche Bilanzierungspraktiken geltend mindestens als fragwürdig. So schrieb etwa der Bilanzexperte Howard Schilit in seinem Buch „Financial Shenanigans“ schon, dass ein rapider Anstieg der „accounts receivables“ eine „ROTE FLAGGE!“ [sic] ist, bei der Anleger stutzig werden sollten.

Tesla beschleunigt künftige Umsätze in die Gegenwart

Tatsächlich stieg diese Position in der Bilanz im zweiten Quartal um 29,4 Prozent zum Vorjahresquartal auf nunmehr 1,485 Milliarden Dollar. Man mag Tesla hier einräumen, dass es in der derzeitigen Lage womöglich öfter mal zu Zahlungsaufschüben kommt und die Zahl der „accounts receivables“ deshalb ansteigt. Doch ein Großteil dieser offenen Rechnungen stammt gar nicht aus dem Verkauf der Fahrzeuge.

Das bestätigte Teslas Finanzvorstand Zachary Kirkhorn in einer Analystenkonferenz nach den Zahlen. Dort stellte Kirkhorn klar: „Weniger als 30 Prozent unserer receivables stammen aus dem Verkauf neuer Autos.“ Laut Kirkhorn würden allein offene Rechnungen aus dem Handel mit den Emissionspunkten gut 40 Prozent der Position ausmachen.

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40 Prozent der aktuellen „accounts receivables“ entsprechen 594 Millionen Dollar. Kritische Beobachter mutmaßten daher, dass womöglich alle Verkäufe der Punkte im zweiten Quartal von Tesla erstmal auf Rechnung gemacht wurden, damit der Konzern diese als Umsatz verbuchen kann. Bezahlt wird erst dann, wenn die Käufer die Punkte auch wirklich erst brauchen.

Prinzipiell hat Tesla so womöglich künftige Umsätze in die Gegenwart beschleunigt, mit dem Ziel, das vierte Gewinnquartal in Folge zu vermelden. Wirklich sauber ist das nicht und auch nicht nachhaltig. Noch kann Tesla diesen Geldhahn anzapfen, doch je mehr die Wettbewerber auf eigene Elektroautos umschwenken, desto weniger Emissionspunkte müssen sie Tesla abkaufen.

Nur nicht von Teslas Glitzerwelt blenden lassen

Genau hier liegt letztlich auch das Problem. Der Chef des Elektroautoherstellers, Elon Musk, bezirzt Anleger gerne mit großspurigen Vision. Dabei läuft das Geschäft gar nicht mal so gut, wie es ein flüchtiger Blick auf die Zahlen vermuten lässt. Ohne den Handel mit den Emissionspunkten hätte es Tesla nicht geschafft, vier Quartale hintereinander Gewinn zu machen. Um diesen Meilenstein zu erreichen, hat der Konzern sogar offenbar ein wenig bei der Rechnungsstellung getrickst, wie die „accounts receivables“ zeigen.

Tesla ist zwar bei weitem nicht das einzige Unternehmen mit einer kreativen Buchführung. Dennoch sollten Anleger, insbesondere im Hinblick auf die massive Rally der Aktie, auch nicht in Teslas Glitzerwelt den Blick für das Fundamentale verlieren.

Hier bietet sich etwa die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge an. Die lag im zweiten Quartal nur bei 90.891 Stromern, nach 88.496 im Auftaktquartal, macht zusammen knapp 179.400 Fahrzeuge in einem halben Jahr. Tesla bekräftigte in seinen Quartalszahlen, im Gesamtjahr 2020 eine halbe Million Fahrzeuge auszuliefern. Ob Tesla auch diesen Meilenstein schafft, scheint aktuell fraglich.

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