Trigema-Chef Grupp: “Habe nie jemanden entlassen, werde es auch jetzt nicht tun”

0
150
Werbebanner

FOCUS Online: Herr Grupp, Ihr Unternehmen Trigema produziert T-Shirts, Sweatshirts und Tennisbekleidung. Seit kurzem haben Sie Ihr Sortiment um Behelf-Mund- und Nasenmasken erweitert. Wie kam es dazu?

Wolfgang Grupp: Tatsächlich ging die Initiative gar nicht von mir aus. Im Februar sind Kliniken und Seniorenheime aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf mich zugekommen und haben gefragt, ob wir einen Mundschutz produzieren könnten. Denn aufgrund der Corona-Krise gab es einen erhöhten Bedarf. Da wollte ich selbstverständlich nicht nein sagen.

Wiederverwendbare Maske made by Trigema

FOCUS Online: Wie haben Sie den Mundschutz entwickelt?

Grupp: Eine Klinik hat uns als Muster eine Einwegmaske zur Verfügung gestellt. Die konnten wir natürlich nicht produzieren. Wir haben dann vorgeschlagen, eine wiederverwendbare Maske zu produzieren. Diese besteht zu 50 Prozent aus Polyester und zu 50 Prozent aus Baumwolle. Mit dieser Mischung stellen wir sicher, dass die Maske mit 95 Grad gewaschen werden kann. Seit dem 19. März ist die Produktion in vollem Gange.

Alle Entwicklungen rund um den Ausbruch des Coronavirus: Coronavirus-Ausbruch im News-Ticker – Mehr als 1000 Corona-Todesfälle in Deutschland – USA mit Rekordzahl an Toten innerhalb eines Tages

FOCUS Online: Wie stellen Sie den Mundschutz her?

Grupp: Der Stoff wird zunächst maschinell zugeschnitten, per Hand gerafft, danach wird ein Draht für den Nasenbügel eingezogen und dann in fünf verschiedenen Arbeitsgängen zusammengenäht.

Produktion von 24.000 Masken pro Tag

FOCUS Online: Ist der Schutz medizinisch zertifiziert?

Grupp: Nein. Wir produzieren eine sogenannten Behelfs-Mund- und Nasenmaske. Das Ziel ist die Tröpfchen-Infektion zu verhindern. Das heißt, wenn eine Altenpflegerin eine unserer Behelfs-Mund- und Nasenmasken trägt, dann schützt sie damit nicht sich selbst, sondern ihr Gegenüber.

FOCUS Online: Wie viele Masken produzieren Sie aktuell? Wir können uns vorstellen, dass die Nachfrage groß ist.

Grupp: Aktuell produzieren wir circa 120.000 Masken pro Woche, also 24.000 pro Tag. Damit können wir kaum den Bedarf decken. Wir haben von Kliniken, Pflegeheimen, Ärzten und vielen weiteren Aufträge für über eine Million Masken angenommen. Alle werden sukzessive mit Teillieferungen bedient.

80 Prozent der Kapazitäten für Masken

FOCUS Online: Wie groß ist der Anteil der Maskenproduktion im Vergleich zu Ihrem normalen Geschäft?

Grupp: Sehr groß. Im Moment werden 80 Prozent der Kapazitäten in der Näherei für die Masken verwendet. Die anderen 20 Prozent halten das Tagesgeschäft am Laufen. Denn obwohl wir alle unsere Geschäfte schließen mussten, geht der Onlineverkauf natürlich weiter.

FOCUS Online: Wie haben Ihre Mitarbeiter die Umstellung aufgenommen?

Grupp: Sehr gut. Gerade jetzt bin ich sehr stolz darauf, ein Familienunternehmen zu führen. Am Anfang mussten wir die Näherinnen auf das neue Produkt einstellen und da haben wirklich alle an einem Strang gezogen. Sogar an den Wochenenden kann man sich auf unsere Mitarbeiter verlassen.

Alle Entwicklungen an den Börsen: +++ News-Ticker zum Corona-Crash+++

FOCUS Online: Wie geht es Ihrem Unternehmen wirtschaftlich?

Grupp: Natürlich fängt die Produktion der Masken nicht den gesamten Umsatzausfall auf. Denn alleine mit der Schließung unserer Geschäfte in ganz Deutschland ist der Umsatz um 50 Prozent eingebrochen. Trotzdem geht es weiter.

Garantierte Arbeitsplätze auch in schwerer Zeit

FOCUS Online: Denken Sie darüber nach, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken oder vielleicht sogar zu entlassen?

Grupp: Nein. Ich habe noch nie jemanden entlassen und werde es auch jetzt nicht tun. Das habe ich auch meinen Mitarbeitern in einer Video-Botschaft gesagt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich auch in dieser schweren Zeit ihre Arbeitsplätze garantiere. Aber ich habe ihnen auch gesagt, dass ich erwarte, dass sie alle auch Verantwortung für sich selbst übernehmen und sich an das halten, was unsere Regierung vorgibt. Denn letztlich sind diese Regeln die Voraussetzung, dass wir die Produktion weiter aufrechterhalten können.

FOCUS Online: Wollen Sie den Mundschutz auch nach der Krise in Ihrem Sortiment behalten?

Grupp: Nein, das denke ich eher nicht. Sobald die Krise vorbei ist, wird die Nachfrage abnehmen. Zusätzlich werden die Handelswege wieder geöffnet, sodass der europäische Markt von günstiger Ware aus anderen Ländern bedient sein wird. Damit kann unser Produkt preislich nicht konkurrieren.

Mehr zum Thema:

Alles, was Sie jetzt wissen müssen, um finanziell sicher durch die Krise zu kommen: Die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld und Steuerentlastung, Tipps für Anleger und warum ein Kredit jetzt hochriskant wäre.

Finanzexperte und Bestsellerautor Marc Friedrich sieht durchaus Potential in der Krise. Er meint, am Ende würde sie uns dazu bringen, unsere vorherigen Fehler auszubessern und zu einem besseren und vor allem auch sozialeren System zu finden. Davor wird seiner Meinung nach aber eine riesige Pleitewelle stehen. 

Die Corona-Krise ist in ihrer Natur anders als die Weltwirtschaftskrise 1929/30 und die Finanzkrise 2008/09. Deshalb ist eine deflationäre Entwicklung wie damals nicht zu erwarten. Stattdessen könnte es im Gegenteil zu einer Inflation kommen. Von welchen Faktoren die Zukunft der Wirtschaft abhängt, lesen Sie hier.

[Coustom ad_2]
Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

Krypto-Nachrichten ist ein RSS-Nachrichtendienst und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unser Nachrichtenportal soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Werbebanner

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

2 × zwei =