Unser Homeschooling lief katastrophal – bis ich eine Sache veränderte

Ich jongliere jeden Tag zwischen einem Erstklässler, mit dem ich die von der Lehrerin vorgegebenen Aufgaben machen soll, einem Kindergartenkind und einem Krippenkind, die in der Zeit natürlich auch meine Aufmerksamkeit brauchen, von mir beschäftigt und gefördert werden wollen. Zudem möchte ich meinen Job gut machen, den Haushalt irgendwie am Laufen halten und uns ab und zu auch was Sinnvolles und Gesundes zu essen kochen.

Ich bin keine Lehrerin und wollte auch nie eine sein. Schon als Kind habe ich es selbst als sehr nervig empfunden, wenn mein Papa mir Mathe oder Physik erklären sollte.

Bisher war ich doch „nur“ seine Mama

Ich kann meinen Sohn verstehen, wenn es ihm schwer fällt, meine Art und Weise, mit der ich ihm versuche den Unterrichtsstoff zu erklären, zu akzeptieren. Ich mache es ganz anders als seine Lehrerin, ganz anders, als er es bisher gewohnt war. Bisher war ich in seinen Augen doch „nur“ seine Mama.

Verena Claudi ist Mitte 30, Mama von drei Kindern und wohnt im Großraum München. Bei FOCUS Online schreibt sie regelmäßig zu Themen, die sie und andere Eltern beschäftigen. Nebenbei bloggt sie auf Instagram bei “verenas_mamablog”.

Und jetzt soll ich ihm all die Unterlagen und Aufgaben, die wir Woche für Woche per Email erhalten, vermitteln. Ich soll mit ihm Hefteinträge machen, ihm neue Zahlenräume beibringen, soll ihm Nomen und Artikel erklären und auf sein Schriftbild achten. Es ist für uns beide eine völlig neue Rolle, in der wir uns auch nach all den Wochen noch immer nicht hundertprozentig eingespielt haben.

Sieben Wochen Homeschooling – und kein einziger Anruf der Lehrkraft

Ich fühle mich an manchen Tagen in meiner Funktion als Neulehrerin allein gelassen. Es türmen sich auf dem Schreibtisch meines Sohnes Stapel an Blättern und Hefteinträgen, ohne dass er jemals ein Feedback dafür erhalten hat.

In den ersten sieben Wochen kam kein einziger Anruf von der Schule. Niemand fragte, wie es ihm in dieser Zeit ergeht. Keine Frage, ob er irgendwo Hilfe benötigt oder einfach nur eine Reaktion auf all die Aufgaben, die er bisher wirklich großartig erledigt hat.

Er war derart frustriert und hatte keine Freude mehr am Lernen. Irgendwann habe ich in die traurigen Augen meines Kindes gesehen, sämtliche erledigte Aufgaben in einen großen Umschlag gepackt, seiner Lehrerin einen lieben Brief geschrieben und bin mit meinem Sohn zusammen in die Schule gefahren – am nächsten Tag bekamen wir den ersten Anruf von ihr, der uns allen sehr gut getan hat.

Ich habe in den letzten Wochen vieles ausprobiert. Mal haben wir feste Lernzeiten am Vormittag vereinbart, mal haben wir das Lernen auf den Nachmittag verlegt. Wir haben beschlossen, die Hälfte am Vormittag, die andere Hälfte am Nachmittag zu machen. Wir haben erst das gemacht, was mein Sohn am liebsten mag, oder auch mal mit dem angefangen, was ihm nicht so gut gefällt.

Mittlerweile habe ich diesen festen Plan komplett über den Haufen geschmissen. Ich bin die ständigen Diskussionen einfach leid. Ich möchte meine gute Beziehung zu meinem Sohn nicht wegen des Homeschoolings aufs Spiel setzen.

Mein Sohn entscheidet, wann er die Aufgaben macht

Wir haben einen Kompromiss gefunden, mit dem wir beide leben können: Er entscheidet, wann er die Aufgaben macht. Die Bedingung ist, dass sie gemacht werden.

Und wenn ihm morgens erstmal nach Spielen mit seinen beiden Brüdern ist, oder er lieber ein Buch lesen möchte, dann ist das für mich ok.

Ich habe gelernt, den festen Tagesrhythmus loszulassen und festgestellt, dass es auch ohne Regeln geht. Das Wichtigste ist, dass es uns beiden damit viel besser geht.

Ob es gut ist oder nicht, wenn sich ein 7-Jähriger abends um halb 9 erst an den Schreibtisch setzt und mit den Hausaufgaben anfängt, das stelle ich gerne zur Diskussion. Aber für uns ist es ein Weg, der zur Zeit einfach gut klappt.

Und ganz ehrlich, wir haben keinen Druck, am nächsten Morgen früh aufstehen zu müssen, um pünktlich zum Unterricht zu erscheinen – wir leben aktuell einfach in den Tag hinein, ohne feste Strukturen.

Ein Ausflug in den Wald ist für mich auch Schule

Es hat knapp acht Wochen Corona-Isolation gebraucht, um mich und meine Ansprüche herunter zu schrauben, meine Kinder und ich genießen diese Lockerheit und Freiheit gerade sehr. Ein schönes Buch zu lesen, ist für mich Schule – ein Ausflug in den Wald, die Natur zu erleben, gehört für mich zum Unterricht. Genauso wie zusammen auf dem Trampolin zu hüpfen und Lieder zu singen, unser Laufeinheiten über den Hof, die Straße mit Kreide zu bemalen, Äste zu schnitzen oder eine Radtour.

All das gehört für mich auch zu einem schönen Tag im Homeschooling. Und den anderen Teil, den werden wir auf unsere eigene Art und Weise auch noch zusammen schaffen!

Also auf in die nächsten Wochen Homeschooling, auf die ich mich zwar noch immer nicht besonders freue, aber denen ich inzwischen doch deutlich entspannter entgegentrete.



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