Virologe Drosten: So funktioniert eine Ansteckung über die Luft

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Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden immer wieder neue Maßnahmen getroffen. So führte Österreich am Montag eine Mundschutzpflicht im Supermarkt ein, auch hierzulande wird über eine derartige Regelung diskutiert. Eine deutsche Stadt ist bereits vorgeprescht: In Jena will man das Tragen eines Mundschutzes in Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr in der kommenden Woche verpflichtend einführen.

Auch Christian Drosten, Chef-Virologe an der Berliner Charité, sprach im aktuellen „NDR“-Podcast über das Tragen von Atemschutzmasken beim Einkaufen. Außerdem erklärte er, inwiefern Herzerkrankungen ein Hinweis auf Corona sein können und warum er eine großflächige Handyüberwachung für sinnvoll hält.

Drosten erklärt, warum man sich auch über die Luft mit Corona infizieren kann

Es klingt absurd, ist laut dem Virologen aber genau so abgelaufen: Zwei Personen sitzen Rücken an Rücken beim Essen in einer Kantine, die eine bittet die andere, ihr den Salzstreuer zu reichen. Offenbar ein fataler Fehler: Denn eine Corona-Infektion soll die Folge gewesen sein. Drosten hatte die Situation bereits am Montag geschildert – im aktuellen Podcast erklärt er genauer, wie es trotz der Rücken-an-Rücken-Haltung zu einer Ansteckung kommen konnte.

“Klar haben die sich auch mal sehr nah unterhalten, die haben sich wahrscheinlich zueinander hingedreht”, meint der Forscher. So könne es zu einer Übertragung des Erregers gekommen sein. Aber es gebe auch Luftbewegungen im Raum, die für die Corona-Infektion verantwortlich sein könnten. Denn zwar atme und huste man nach vorne. “Ein mitteltropfiges Aerosol bleibt jedoch eine Zeitlang in der Raumluft stehen und wenn es eine Luftbewegung gibt, dann wird es weitertransportiert – egal, ob jemand mit dem Rücken zu einem sitzt”, erklärt der Virologe.

Aus Angst, sich selbst mit dem Coronavirus anzustecken, würden derzeit viele Menschen Masken beim Einkaufen tragen. Drosten weist jedoch klar darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Belege für deren Schutz gebe. Denn wie im Fall der Kantinen-Kollegen sei es möglich, sich über Luftbewegungen mit Corona zu infizieren. „Man atmet so ein etwas länger im Raum stehendes Aerosol seitlich über die Maske ein“, sagt Drosten. Auch der Stoff eines einfachen Mundschutzes sei mit Blick auf Luftpartikel nicht ganz dicht.

Drosten: Münchner Patienten nicht verantwortlich für Corona-Kranke in Italien

Mit Blick auf die Angestellten der Münchner Firma Webasto, die sich als erste Deutsche mit dem Coronavirus infiziert hatten, kam vor wenigen Wochen eine abenteuerliche These auf. Könnten die Münchner Corona-Patienten das Virus nach Italien eingeschleppt haben? Drosten geht nicht davon aus, wie er im aktuellen “NDR”-Podcast erklärt. Untersuchungen an der Münchner Kohorte hätten gezeigt: In den Patienten seien zwei Virus-Versionen gefunden worden, eine im Rachen und eine in der Lunge.

Die ersten drei Münchner Patienten hätten sich mit dem ursprünglichen Virus angesteckt, alle weiteren mit der zweiten Variante, die die Infizierten im Rachen trügen. In Italien herrsche jedoch die ursprüngliche Version des Erregers vor, erklärt Drosten. Wäre das Virus wirklich von Deutschland nach Italien gelangt, hätte es von einem der ersten drei Patienten stammen müssen – äußerst unwahrscheinlich, wie Drosten betont.

  • Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus-Ausbruch finden Sie im News-Ticker.

Handydaten-Auswertung: “Wissenschaftlich betrachtet erfolgsversprechend”

Zuletzt wurde immer wieder diskutiert, Kontaktpersonen von Infizierten über Handydaten zu ermitteln und zu informieren. Der Berliner Virologe spricht sich klar für ein solches Vorgehen aus.„Wissenschaftlich betrachtet ist das erfolgsversprechend“, sagt Drosten. Durch die Auswertung der Handydaten könne man herausfinden, wem ein Infizierter räumlich nah gewesen sei.

Bekomme ein Nutzer die Meldung, zuletzt Kontakt zu einer Corona-infizierten Person gehabt zu haben, könne er sich darauf einstellen und sich selbst beobachten. Erlaubte, aber nicht unbedingt notwendige Treffen mit anderen könnten so bewusster vermieden werden. „Als aufgeschlossener Bürger, ich muss dazu kein Virologe sein, würde ich das für mich sofort freischalten“, meint er. „Ich bekomme auch ein Sicherheitsgefühl dadurch“, erklärt der Wissenschaftler weiter.

Drosten: “Manche Patienten sehen aus, als hätten sie so etwas wie einen Herzinfarkt”

Mit Blick auf das Coronavirus würden viele Erkrankte als Herzpatienten auffallen. Mehrere Studien hätten darauf hingewiesen, dass es ein direktes kardiologisches Problem bei Corona-Infizierten gebe, so Drosten. „Manche Patienten sehen aus, als hätten sie so etwas wie einen versteckten Herzinfarkt“, schildert er. Sogar ein Herzinfarkt-Schnelltest (der sogenannte “Troponin-T-Test”) werde bei einigen Corona-Patienten positiv –  aus verschiedenen Gründen. So verändere sich im Rahmen einer Immunreaktion gelegentlich die Blutgerinnung, was sich schädlich auf das Herz eines Patienten auswirken könne. Aber auch eine direkte Schädigung des Herzmuskels durch Covid-19 könne aktuell nicht ausgeschlossen werden.

Zum Schluss geht es noch einmal um das Tragen eines Mundschutzes in der Öffentlichkeit. Drosten selbst trage beim Einkaufen eine Maske, die er geschenkt bekommen habe. Da sich die Symptome einer Corona-Infektion häufig erst Tage nach der Ansteckung zeigen würden, benutze er sie zum Schutz anderer. Immerhin könne er nicht ausschließen, selbst Corona-Überträger zu sein. “Wenn ich infiziert bin, kann ich meiner Umgebung so zumindest etwas ersparen”, sagt Drosten.


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