Welthandelsorganisation ohne Chef | Aktuell Welt | DW

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Roberto Azevêdo (Artikelbild) hat seinen Chefsessel bei der Welthandelsorganisation vorzeitig verlassen – der 31. August war sein letzter Arbeitstag bei der WTO. Der Brasilianer wechselt zum US-Getränkekonzern PepsiCo.

Wer Azevêdos Nachfolge antreten wird, ist nach wie vor unklar. Bisher haben sich acht Kandidaten um den Posten als WTO-Generaldirektor beworben, doch die US-Regierung will unbedingt einen Amerikaner ins Amt hieven. Das wiederum trifft auf den Widerstand aus China und Europa. Dadurch droht ein monatelanges Führungsvakuum – ausgerechnet zu einer Zeit mit wachsenden Handelskonflikten und -hemmnissen. Diplomaten in Genf glauben nicht, dass eine (Vor-)Entscheidung vor den US-Wahlen am 3. November fallen wird.

Keine Übergangslösung

Auch auf einen Übergangschef konnten sich die zerstrittenen Mitgliedsländer nicht einigen. Die Mehrheit der 164 WTO-Staaten sprach sich dem Vernehmen nach für den deutschen Vize-Generaldirektor Karl Brauner aus. Die USA wollten aber nur den amerikanischen Vize Alan Wolff akzeptieren. Mangels Einigung führen die insgesamt vier Stellvertreter die Geschäfte nun gemeinsam weiter. Neben Brauner und Wolff sind das Yonov Fred Agah aus Nigeria und Xiaozhun Yi aus China.

USA | US-Präsident Trump | PK im Rosengarten (picture-alliance/AP Photo/E. Vucci)

Hält nicht viel von der WTO: US-Präsident Donald Trump

Abgesehen von den verheerenden Folgen der Corona-Krise für den Welthandel steckt die Organisation selbst in der tiefsten Krise seit ihrer Gründung 1995. Sowohl der Graben zwischen den großen Handelsblöcken USA, China und EU als auch der zwischen Industrie- und Entwicklungsländern wächst. Die Vereinigten Staaten blockieren zudem das zentrale Organ der Streitschlichtung bei Handelskonflikten. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump sieht sich von der WTO unfair behandelt und verlangt Reformen – ohne jedoch konkret zu werden.

wa/rk (dpa, rtr)



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