Wie lange bleibt Sars-CoV-2 in der Luft ansteckend? Forscher haben neue Daten

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Länger als erwartet aktiv: 16 Stunden in der Luft: US-Forscher finden heraus, wie lang Sars-CoV-2 infektiös bleibt

Der Erreger Sars-CoV-2  wird nicht nur durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion weitergegeben. Das wissen Forscher bereits. Auch beim Ausatmen werden Sars-CoV-2-Viren freigesetzt. Mit winzigen Luftpartikeln schweben sie durch die Luft – und zwar viel länger als bisher vermutet. Sie bleiben dabei auch ansteckend.

Die gängige Meinung der Virologen zur Verbreitung des neuen Coronavirus hat etwas Beruhigendes: Es ist zwar sehr ansteckend, wird aber fast nur durch Tröpfchen übertragen. Das heißt, ein Infizierter muss einem anderen Menschen schon nahe kommen, damit die Viren beim Husten, Niesen oder Sprechen ein neues Opfer finden. Mehr als 1,5 bis zwei Meter können die großen Tropfen nicht fliegen. Dann sinken sie zu Boden, die Virenlast verdünnt sich in der Luft und die Erreger verlieren nach wenigen Stunden ihr Ansteckungspotential. Landen die Viren auf Oberflächen, ist von dort eine Übertragung des Virus über Schmierinfektion für etwa einen Tag möglich.

Doch ganz so eindeutig und kurzlebig ist das Ansteckungsrisiko wohl nicht: Sars-CoV-2-Viren gelangen auch mit dem feinen Nebel, den jeder Mensch beim Ausatmen abgibt, in die Luft. Und dort halten sie sich besser und länger als anfangs vermutet. Das legen mehrere Studien nahe. Die jüngste spricht sogar von bis zu 16 Stunden, die Viren durch die Luft schweben können.

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Zu diesem Ergebnis kam eine gemeinsame Untersuchung von Forschern der Tulane-Universität und der Universität von Pittsburgh, die soeben auf der Preprint-Seite MedRvix veröffentlicht wurde. Hier stellen Forscher aktuelle Covid-19-Studien ins Netz, noch bevor sie von anderen Wissenschaftlern begutachtet wurden.

Sars-CoV-2 bleibt 16 Stunden infektiös – zumindest in der Petrischale

Die Studie basiert auf Tests in vier voneinander unabhängigen Laboren, also nicht in einer natürlichen Umgebung. Ob die Viren in Verbindung mit Aerosolen, den winzigen Schwebeteilchen in der Luft, nach so langer Zeit noch ansteckend sind, bejahen die US-Forscher. Nach 16 Stunden konnten Partikel von Sars-CoV-2 noch Zellen in einer Petrischale infizieren. Und unter dem Mikroskop sahen die Viren intakt aus. Unklar bleibt allerdings, ob die Virenmenge groß genug wäre, um tatsächlich bei einem Menschen Covid-19 oder eine nachweisbare Infizierung auszulösen.

„Das ist sehr ungewöhnlich, wir hätten erwartet, dass die Viren nach so vielen Stunden in der Luft auseinander gerissen würden“, sagte Studienleiter Chad Roy von der Medizinischen Hochschule der Universität Tulane in New Orleans. Die Gesundheitsbehörden sollten dieses Studienergebnis zur Kenntnis nehmen, mahnt der Experte für Infektionskrankheiten.

 

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„Es gibt immer noch so viel, was wir über diesen Virus nicht wissen, und es ist alles so dringend“, sagt Roy zur schnellen Vorab-Veröffentlichung. „Natürlich brauchen wir noch mehr Forschung. Wir müssen die Umgebungsbedingungen außerhalb eines Labors berücksichtigen. Wir haben uns auch nicht mit individueller Anfälligkeit oder der Virenlast befasst. Aber wenn in der Forschung Warnsignale derart aufleuchten, muss man aufmerksam werden.“

Experten sind sich einig, dass sich Covid-19 nicht hauptsächlich durch die Luft verbreitet. Wäre das der Fall, hätte sich die Pandemie viel schneller vorwärts bewegt, und es hätte von vorn herein viel mehr Erkrankte gegeben, bei denen sich keinerlei Infektionsketten nachweisen lassen. Die Arbeit von Roy und Kollegen schließt an eine Reihe von Hinweisen an, dass Sars-CoV-2 als Krankheitserreger auch in der Luft lebensfähig ist.

Die Gesundheitsverantwortlichen, einschließlich der Weltgesundheitsorganisation, würden auf der Tröpfcheninfektion beharren, weil nach der bisherigen Überzeugung nur große Tröpfchen lebende Viren tragen könnten, meint Studienleiter Roy. Doch die geringere Virenmenge, die sich in Aerosolen verbreitet, darf deshalb nicht vernachlässigt werden.

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16 oder doch nur 3 Stunden infektiös in der Luft?

Dass sich infektiöse Covid-19-Erreger in der Luft finden, hat eine Untersuchung unter der Federführung des National Institute of Allergy and Infectious Diseases gezeigt. Die Mitte März im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie hatte aber nur eine Überlebens- und Ansteckungszeit der Viren von drei Stunden in den mikroskopisch kleinen Aerosolen nachweisen können. Das entspricht in etwa der Lebensdauer in der Luft, die auch schon für das Sarsvirus beobachtet  wurde.

Zwar konnte auch diese Studie nicht nachweisen, ob die übertragenen Virusmengen ausreichen, um die Empfänger zu infizieren. Doch allein das Auftauchen des viralen Erbguts in den Aerosolen lege die Möglichkeit einer solchen Ansteckung nahe.

Andere frühe Studien haben gemischte Ergebnisse geliefert: Die eine fand Viren in der Luft von Krankenhäusern, in denen infizierte Patienten behandelt wurden, eine andere nicht. Eine weitere Studie wollte regelrechte Viren-Wolken entdeckt haben, und eine machte den Luftstrom von Klimaanlagen als Virenschleuder aus, was sich nicht aufrecht halten ließ.

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Die Experten der WHO sehen derzeit jedenfalls noch nicht genügend Beweise dafür, dass sich das Virus durch Aerosol außerhalb der Laborbedingungen oder außerhalb von Covid-19-Stationen ausbreiten kann, wo durch Intubation und Beatmung virenbeladene Aerosole entstehen.

RKI glaubt nicht an Sars-CoV-2-Ansteckung in der Luft

Und das Robert-Koch-Institut sagt über die Ansteckung mit Sars-CoV-2-Viren durch die Luft: „Auch wenn eine abschließende Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich erscheint, weisen die bisherigen Untersuchungen insgesamt darauf hin, dass eine Übertragung von Sars-CoV-2 über Aerosole im normalen gesellschaftlichen Umgang nicht wahrscheinlich ist.“

Masken-Überblick

Selbstgemachte Masken: Im Netz kursieren zahlreiche Schnittmuster und Faltanleitungen für einen selbstgemachten Mundschutz – oder auch Community Mask genannt. Die Schutzeigenschaften hängen stark von Material und Nutzung ab. Fest gewebte sind besser geeignet als leicht gewebte Stoffe. Eine wissenschaftlich nachgewiesene Schutzwirkung haben die Masken nicht. Es wird aber vermutet, dass sie das Risiko einer Ansteckung verringern, weil sie den Tröpfchenauswurf reduzieren und das Bewusstsein für achtsamen Umgang mit sich und anderen unterstützen können. Hygienevorschriften und Abstandsregeln sollten trotzdem eingehalten werden.

Mund-Nasen-Schutz: Auch diese Masken dienen vor allem dem Schutz von Mitmenschen. In medizinischen Einrichtungen sind sie derzeit häufig knapp. Der sogenannte Mund-Nasen-Schutz fängt ebenfalls Flüssigkeitsspritzer und Tröpfchen in der Ausatemluft der tragenden Person ab. So kann das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, verringert werden. Den Träger können sie auch vor größeren Tröpfchen aus der Umgebung schützen. Einen ausreichenden Schutz vor Viren und Bakterien bieten auch sie nicht, weil die Masken nicht abschließend auf dem Gesicht sitzen. So können etwa kleine Tröpfchen in der Luft eingeatmet werden. Auch mit diesen Masken gelten weiter die Regeln für Händehygiene und Sicherheitsabstand.

FFP-Masken: Die Abkürzung FFP steht für Filtering Face Piece – also etwa filternder Gesichtsschutz. Sie werden in drei Klassen unterschieden: 1, 2 und 3. Sie schützen in unterschiedlichen Graden vor festen und flüssigen Partikeln, wobei 3 die höchste Schutzklasse darstellt. Um sich vor Corona-Viren zu schützen, empfehlen Experten Masken der Klasse 2 und 3. Weil der Filter einer FFP-3-Maske sehr dicht ist, fällt das Atmen damit schwer. Die Maske kann daher nur für kurze Zeiträume getragen werden. Die medizinischen Masken inklusive der OP-Masken sind derzeit häufig knapp. Viele Experten plädieren darum dafür, diese Schutzmasken primär Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen vorzubehalten.

Allerdings würde eine auch nur „mögliche“ Infektion über die Luft für eine allgemeine Maskenpflicht sprechen. Denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich die wenigen Viren in Aerosolen auch noch den Weg durch eine wie auch immer geartete Maske bahnen und den Träger infizieren können.

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