Wirecard: Inhaftierter Manager aus Dubai könnte Bilanz-Betrug aufklären

Skandal um Wirecard im News-Ticker: Medienbericht: Inhaftierter Wirecard-Manager aus Dubai könnte Manipulation aufklären

Scheibchenweise kommt der Skandal um Wirecard zum Vorschein. Fast zwei Milliarden Euro waren offenbar nur auf dem Papier vorhanden, viele Geschäftszahlen falsch. Während sich Ex-Chef Markus Braun den Behörden gestellt hat, ist ein anderer Vorstand auf der Flucht. Alle Entwicklungen lesen Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

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Medienbericht: Inhaftierter Wirecard-Manager könnte Betrug aufklären

Mittwoch, den 08. Juli 2020, 14.41 Uhr: Der in München inhaftierte Wirecard -Manager Oliver Bellenhaus könnte einem Medienbericht zufolge viel zur Aufklärung der Bilanzmanipulationen des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters beitragen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, hat der Manager, der freiwillig von Dubai nach München reiste und sich dort den Behörden stellte, in der Wüstenmetropole einen der wichtigsten Geschäftszweige Wirecards verwaltet.

Dem Blatt zufolge konzentrierte sich dort, bei der Tochter Cardsystems Middle East, ein Großteil der vermutlich gefälschten Umsätze. 2018 steuerte die Tochter 32 Prozent der Umsätze ein, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ den Bericht des Sonderprüfers KPMG. Womöglich aber könnten genau hier die Manipulationen stattgefunden haben. Trotz der Wichtigkeit der Tochter wurden deren Bilanzen jahrelang nicht offiziell geprüft, so die „SZ“.

Einen Großteil des Geschäfts in Asien hatte Wirecard an sogenannte Drittpartner ausgelagert, um in Märkte einzusteigen, in denen der Aschheimer Konzern selbst keine Lizenz besaß. Die Erlöse flossen dann auf Treuhandkonten – hier aber stelle sich im Juni heraus, dass 1,9 Milliarden Euro auf diesen Konten fehlten. Der Zeitung zufolge entfielen 1,1 Milliarden Euro davon auf Cardsystems Middle East.

Statt vieler Drittpartner habe es aber insgesamt nur drei gegeben: Al Alam in Dubai, Senjo Payments in Singapur und Payeasy Solutions auf den Philippinen. Aus dem Geschäft mit diesen drei Firmen stammten 2018 mehr als die Hälfte der Umsätze Wirecards. Das Geschäft mit Al Alam und Senjo wiederum verbuchte die Tochter Cardsystems, verantwortet von Bellenhaus.

Ohne die mittlerweile anzuzweifelnden Geschäfte der Tochter in Dubai, vermutet die „Süddeutsche Zeitung“, hätte Wirecard schon in den vergangenen Jahren Verluste vermelden müssen. Entsprechend stark könnte der Manager aus Dubai nun bei der Aufklärung des Milliarden-Betrugs mithelfen. Eine Kooperation mit den Ermittlern könnte dem Manager viele Jahre Haft ersparen, die wegen der schweren Anschuldigungen drohen.

Der Anwalt des Managers, Strafverteidiger Nicolas Frühsorger aus München, wollte sich der „SZ“ gegenüber nicht zum Fall oder seinem Mandanten äußern.

Die weiteren Entwicklungen:

Insolvenzverwalter Jaffé teilt mit: Schon über 100 Interessenten

16.33 Uhr: Wie am Dienstagnachmittag bekannt wurde, läuft beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard der Investorenprozess nun an. Es geben schon über 100 Interessenten für das Kerngeschäft Wirecards und weitere Beteiligungen, sagte Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Dienstag im Anschluss an eine Sitzung des vorläufigen Gläubigerausschusses mit.

Das Amtsgericht München hatte Jaffé Ende Juni zum Insolvenzverwalter des Aschheimer Unternehmens bestellt. Jaffé gilt als Spezialist für schwierige Fälle. Der heruntergeprügelte Kurs machte auf die Nachricht hin einen Sprung. Bei Tradegate zogen die Aktien zuletzt um 2,40 Prozent auf 2,50 Euro an.

Am weitesten fortgeschritten seien die Aktivitäten für die US-amerikanische Gesellschaft Wirecard North America. Der vorläufige Gläubigerausschusses hat zugestimmt, die Investmentbank Moelis & Company für den Verkauf der Sparte zu mandatieren. Auch für weitere internationale Beteiligungen sowie das Kerngeschäft würden aktuell Investorenprozesse eingeleitet.

Fraglich ist nach einem Pressebericht der “Financial Times” (“FT”) vom Sonntag, wie werthaltig die Unternehmensteile von Wirecard sind. Wirecard hatte Mitte Juni einräumen müssen, dass auf Treuhandkonten geführte Gelder für das sogenannte Drittpartnergeschäft in Höhe von 1,9 Milliarden Euro wahrscheinlich nie existiert haben und daraufhin Insolvenz beantragt. Laut dem Bericht der “FT” soll Wirecard aber auch im Kerngeschäft seit Jahren Verluste eingefahren haben, die offenbar mit den mutmaßlichen Luftbuchungen in Asien kaschiert werden sollten.

Unter anderem hatte die Deutsche Bank Interesse an Zukäufen von Teilen Wirecards angedeutet. Bankchef Christian Sewing betonte am Dienstag jedoch, mögliche Zukäufe hätten eine hohe Hürde zu nehmen. Vor allem müssten neue Teile, etwa im technologischen Bereich, besser sein als das eigene Angebot.

Deutsche-Bank-Chef Sewing: Zukäufe bei Wirecard haben “hohe Hürden”

14.29 Uhr: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dämpft die Erwartungen an einen möglichen Kauf von Teilen des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard . Natürlich sei Zahlungstechnologie interessant für die Deutsche Bank als eine der führenden Banken im Zahlungsverkehr weltweit, sagte Sewing am Dienstag in einer Videokonferenz. “Wenn es dann eine potenzielle Gelegenheit gibt, sich mit Technologie zu befassen, bewerten wir das natürlich.” Sewing betonte jedoch, Zukäufe müssten stets Wert für die Aktionäre schaffen. Vor allem aber müssten die neuen Teile besser sein als das eigene Angebot. “Das ist eine hohe Hürde”, sagte Sewing.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab – an Ladenkassen wie online. Das Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München hatte eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro, die Wirecard auf Treuhänderkonten verbucht hatte, sehr wahrscheinlich nicht existieren. Inzwischen hat der seit knapp zwei Jahren im Dax gelistete Zahlungsdienstleister Insolvenz angemeldet. Die zum Konzern gehörende Wirecard Bank ist nicht Teil des Insolvenzverfahrens.

Die Deutsche Bank hatte in der vergangenen Woche signalisiert, dass sie der Wirecard Bank nach dem Bilanzskandal des Mutterkonzerns möglicherweise finanziell unter die Arme greifen will. “Wir können uns grundsätzlich vorstellen, im Rahmen der Fortführung der Geschäftsaktivitäten diese Unterstützung zu gewähren, sofern es erforderlich werden sollte”, hatte ein Deutsche-Bank-Sprecher gesagt.

Wie genau die Deutsche Bank eine solche Unterstützung gewähren würde und um welche Größenordnung es sich handeln würde, sagte auch Sewing am Dienstag nicht konkret. Die Deutsche Bank sei unter anderem in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden und dem vorläufigen Wirecard-Insolvenzverwalter, “um zu prüfen, ob es eine Rolle zur Stabilisierung der Situation geben könnte und ob für die Deutsche Bank eine Chance besteht”. Mehr lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu sagen, führte Sewing aus.

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Schlüsselfigur im Wirecard-Skandal stellt sich den Behörden

15.59 Uhr: Der Wirecard-Manager Oliver Bellenhaus hat sich am Montag der Staatsanwaltschaft München gestellt und ist festgenommen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit, allerdings ohne den Namen von Bellenhaus zu nennen.

Der Behörde zufolge sei zuvor ein Haftbefehl beantragt worden. Bereits am Montagnachmittag sei Bellenhaus dem Haftrichter vorgeführt worden, der wiederum Haftfortdauer anordnete. Es bestehe unter anderem der „dringende Tatverdacht des gemeinschaftlichen Betrugs im besonders schweren Fall“, hieß es weiter. Als Haftgründe nannte die Staatsanwaltschaft Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Letztgenanntes bezeichnet die Gefahr, dass noch nicht inhaftierte Tatverdächtigte Beweismaterial vernichten oder weitere Zeugen und Beschuldigte beinflussen könnten.

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Bellenhaus gilt als Schlüsselfigur im Wirecard-Skandal: Als Chef der Tochterfirma „CardSystems Middle East“ wird er verdächtigt, im Zentrum der nebulösen Geschäftspraktiken des Münchner Unternehmens auf dem asiatischen Kontinent zu stehen. Von den verschwundenen 1,9 Milliarden Euro, die Wirecard in die Zahlungsunfähigkeit trieben, gehen 1,1 Milliarden Euro auf das Konto von „Card Systems“. Bellenhaus soll das Geschäft von einem Apartment im berühmten Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai aus vorangetrieben haben.  

Bereits zuvor hatte die „Financial Times“ berichtet, dass Bellenhaus vom Dubai aus nach München gereist und derzeit in einem Nobel-Hotel im Stadtteil Schwabing eingecheckt sei.

Die Wirecard-Aktie reagierte nur mäßig auf die Nachrichten. Neue Enthüllungen vom Wochenende hatten bereits zum Handelsauftakt einen kräftigen Kurssturz verursacht. Zuletzt handelte die Aktie bei Tradegate knapp 22 Prozent tiefer bei 2,56 Euro.

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EY-Prüfberichte zu Wirecard könnten bald eingesehen werden

Dienstag, 7. Juli, 08.36 Uhr: Gläubiger und Aktionäre haben unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, die normalerweise streng geheimen Abschlussberichte von Wirtschaftsprüfern einzusehen. Das könnte im Fall Wirecard große Bedeutung haben, sagt Wirtschaftsprofessor Kai-Uwe Marten von der Universität Ulm. Seines Wissens nach wäre es das erste Mal, dass dieses Recht angewandt würde. Eingeführt wurde der entsprechende Paragraf 321a des Handelsgesetzbuches vor 16 Jahren infolge diverser Skandale.

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“All jene, die Forderungen haben – etwa Banken und Lieferanten, in bestimmten Fällen aber auch Aktionäre – können Einsicht in die Prüfungsberichte der vergangenen drei Jahre beantragen, sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist”, sagte Marten der Deutschen Presse-Agentur. Bei Aktionären gelte, dass sie ein Prozent des Unternehmens oder Aktien im Wert von mindestens 100.000 Euro halten müssten, um Zugriff auf die Berichte zu erhalten.

Mehr zum Wirecard-Skandal finden Sie hier:

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