Wirecard: Neuer Verdacht – sind auch reale Gelder versickert?

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Bericht: Bundesregierung kündigt nach Wirecard-Skandal Vertrag mit „Bilanzpolizei“

23.09 Uhr: Die Bundesregierung zieht eine erste Konsequenz aus dem Betrugsskandal um den DAX-Konzern Wirecard. Das Bundesjustiz- und das Bundesfinanzministerium werden nach Informationen der “Bild am Sonntag” am kommenden Montag den Vertrag zwischen der Bundesrepublik und der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen. Dieser privatrechtlich organisierte Verein kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen und hat im Fall von Wirecard nach Ansicht der Ministerien versagt.

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) hatte der DPR, die auch „Bilanzpolizei“ genannt wird, im Februar 2019 den Hinweis gegeben, dass es Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gebe. Nach Informationen der “Bild am Sonntag” ist die DPR dem Manipulationsverdacht aber nicht nachgegangen. Erst im Mai dieses Jahres fragte Bafin noch einmal bei der DPR nach. Die kündigte einen Zwischenbericht für Juli an.

Die Kündigung des DPR-Vertrags schafft aber keine schnelle Abhilfe bei den offensichtlichen Kontrolllücken. Die Restlaufzeit des Vertrags beträgt 18 Monate. In dieser Zeit müssen die Ministerien eine neue Kontrollstruktur aufbauen.

Finanzaufsicht verschleppte offenbar Bilanzprüfung bei Wirecard

19.26 Uhr: Der Skandal um den inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard zieht immer weitere Kreise. Nach Informationen der “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS) soll die Finanzaufsicht bereits Anfang 2019 einen konkreten Verdacht auf Bilanzmanipulationen bei Wirecard gehabt haben. Allerdings sei nur ein Mitarbeiter auf den Fall angesetzt worden. In der Regel kämen bei einem Fall von solch großer Tragweite mehrere Dutzend Fachleute zum Einsatz. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin habe zwar im Februar 2019 einen Anlass gesehen, den schon zu jenem Zeitpunkt schwerwiegenden Bilanzbetrugsvorwürfen nachzugehen. Allerdings hätte sie hierzu die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) beauftragen müssen. Die wiederum habe nur wenig Personal und habe lediglich einen Mitarbeiter mit dem Fall betraut. Laut “FAS” bestätigten beide Aufsichtsbehörden, dass eine Sonderprüfung im Fall Wirecard veranlasst worden sei. Weitere Einzelheiten hätten sie jedoch nicht genannt.

Der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, Wolfgang Gerke, kritisierte die BaFin scharf. “Die Aufsichtsbehörden haben hier letztendlich versagt. Sie haben nicht genug recherchiert und dem Management von Wirecard vertraut”, sagte der Bankenexperte im Interview der “Passauer Neuen Presse” (Wochenendausgabe). “Für die Wirtschaftsprüfer und die Aufsichtsbehörde Bafin ist das ein Armutszeugnis.” Er vermute ein korruptes Netz hinter dem Skandal. “Dass zwei Vorstände in der Lage gewesen sein sollen, dieses gewaltige Betrugsmodell alleine aufzubauen, ist schwer vorstellbar. Da gibt es sicher Hintermänner, aber vielleicht auch woanders», sagte der emeritierte Professor für Bank- und Börsenwesen der Zeitung. Dass die Geschäfte von Wirecard erst jetzt aufgearbeitet werden, sei ein großes Versäumnis. “Die Aktienkultur hat einen dramatischen Schaden erlitten”, sagte Gerke. “Der hier verursachte Schaden ist immens und wird Jahre nachwirken.”

Der in einen Milliardenskandal verstrickte Zahlungsdienstleister Wirecard hatte am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag beim Amtsgericht München eingereicht. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die den Jahresabschluss 2019 prüfte, geht bei Wirecard von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannendem Maßstab aus. Im Mittelpunkt des Skandals stehen mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

Berlin im Wirecard-Skandal unter Druck aus Brüssel

16.36 Uhr: Nach dem auf mutmaßlich kriminelle Machenschaften zurückzuführenden Milliardencrash des Dax-Konzerns Wirecard gerät die Bundesregierung unter Druck aus Brüssel. Die EU-Kommission schaltet die europäische Finanzaufsicht ESMA ein. Die Aufseher sollen den Zusammenbruch des Münchner Zahlungsdienstleisters und mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden unter die Lupe nehmen. Bis 15. Juli soll ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen. Das geht aus einem Schreiben der Kommission an die ESMA hervor, das der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag.

Die Bundesregierung ist alarmiert – und will ihrerseits prüfen, ob es an der Aufsicht haperte: “Das ist ein besorgniserregender Fall”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. “Und natürlich muss es darum gehen, Schaden vom Finanzplatz Deutschland insgesamt abzuwenden.” Deswegen müssten Schwächen bei den Kontrollmechanismen, “wo sie sich herausstellen, auch behoben werden”. Die Aufsichtsbehörde des Bundes für Wirecard ist die Bafin.

Am Vorabend hatte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bereits angekündigt, die Aufsichtsstrukturen auf den Prüfstand stellen zu wollen. O-Ton Scholz: “Der Fall Wirecard AG ist ein Skandal, der in der Finanzwelt schon seinesgleichen sucht.” Das Finanzministerium soll in den kommenden Tagen ein Konzept ausarbeiten.

Im Brief der EU-Kommission an die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) in Paris heißt es, nötig sei eine umfassende Beschreibung und Analyse der Ereignisse und eine Prüfung, ob die Reaktion der Aufsichtsbehörden angemessen gewesen sei. Ein wichtiger Gesichtspunkt soll der Schutz der Anleger sein. Verfasst wurde der Brief von der zuständigen Generaldirektion für Finanzmarktstabilität der Kommission, gerichtet ist er an ESMA-Chef Steven Maijoor.

Aldi äußert sich als erster Vertragspartner zu Wirecard-Skandal

16.24 Uhr: Die Wirecard-Insolvenz hat zunächst keine Konsequenzen für die Kunden des Discounters Aldi. “Aldi Süd ist Vertragspartner der Wirecard Bank AG, die über eine deutsche Vollbanklizenz verfügt, unter Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht steht und nicht Teil des angestrebten Insolvenzverfahrens ist”, erklärte der Discounter gegenüber der “Welt“.

Für Kunden ergäben sich weder bei der Abwicklung von Kreditkartenzahlungen noch beim Geschäft mit der Aldi-Geschenkkarte Veränderungen. Die Zusammenarbeit mit Wirecard ist auf diese beiden Bereiche beschränkt. Aldi steht laut “Welt” weiterhin mit Wirecard in Verbindung, um den Sachverhalt zu klären.

Die weitere Entwicklung zu Wirecard im News-Ticker

Samstag, 27. Juni, 14.45 Uhr: Der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, Wolfgang Gerke, kritisiert die Aufsichtsbehörden scharf. “Die Aufsichtsbehörden haben hier letztendlich versagt. Sie haben nicht genug recherchiert und dem Management von Wirecard vertraut”, sagte der Bankenexperte im Interview der “Passauer Neuen Presse” (Wochenendausgabe). “Für die Wirtschaftsprüfer und die Aufsichtsbehörde Bafin ist das ein Armutszeugnis.”

Er vermute ein korruptes Netz hinter dem Skandal. “Dass zwei Vorstände in der Lage gewesen sein sollen, dieses gewaltige Betrugsmodell alleine aufzubauen, ist schwer vorstellbar. Da gibt es sicher Hintermänner, aber vielleicht auch woanders”, sagte der emeritierte Professor für Bank- und Börsenwesen der Zeitung. Dass die Geschäfte von Wirecard erst jetzt aufgearbeitet werden, sei ein großes Versäumnis. “Die Aktienkultur hat einen dramatischen Schaden erlitten”, sagte Gerke. “Der hier verursachte Schaden ist immens und wird Jahre nachwirken.»”

Neuer Verdacht bei Wirecard: Sind auch reale Gelder versickert?

Samstag, 27. Juni, 10.25 Uhr: Neben den nicht-existenten Geldern in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die den Bilanzskandal bei Wirecard ausgelöst haben, könnte der Dax-Konzern auch reales Geld in unbekannte Kanäle verschoben haben. Das berichtet das “Handelsblatt“. Ermittler und Anwälte hätten immer wieder Ungereimtheiten gefunden. Konkret geht es laut “Handelsblatt” um einen Zukauf zu einem überhöhten Kaufpreis in Indien. Dieser war im Oktober 2015 der größte der Firmengeschichte. Darüber hinaus verfolgen die Ermittler den Fluss unbesicherter Kredite, die gewährt worden sind und deren tatsächliche Empfänger nicht klar sind.

Erste Kaufinteressenten für Wirecard

15.52 Uhr: Bereits einen Tag nachdem Wirecard Insolvenzantrag gestellt hat, gibt es laut der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)” erste Kaufinteressenten für das Unternehmen. Laut Informationen der “FAZ” sind unter darunter Private Equity-Gesellschaften und Privatinvestoren, aber auch der Wettbewerber Worldline. Der Zahlungsdienstleister aus Frankreich ist erst zu Beginn des Jahres auf Einkaufstour gewesen und hatte Igenico übernommen – für fast 8 Milliarden Euro.

Potenzielle Investoren haben je nach eigener Ausrichtung unterschiedliche Interessen. Wert dürfte für alle das Geschäft Wirecards mit europäischen Kunden haben – sofern diese nicht weiter abspringen. Große Kreditkartenanbieter wie Visa und Mastercard denken bereits darüber nach, ihre Geschäfte mit Wirecard zu beenden.

Wirecard-Aktie rutscht auf tiefstes Niveau seit 15 Jahren

14.35 Uhr: Der Wert der Wirecard-Aktie hat sich am Freitag nochmals halbiert. Die Aktie rutschte auf zwischenzeitlich 1,76 Euro und damit auf das tiefste Niveau seit fünfzehn Jahren. Zuletzt notierten die Papiere bei 1,87 Euro knapp 47 Prozent im Minus.

Inzwischen überdenken die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard ihre Geschäftsbeziehungen mit den Münchnern, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Insiderkreisen erfuhr. Einige Wirecard-Kunden seien bereits kontaktiert worden, um sie auf diese Möglichkeit vorzubereiten.

Strafanzeige gegen EY – Prüfer haben Wirecard-Skandal nicht erkannt

13.08 Uhr: Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen EY gerät nach dem Bilanz-Skandal um Wirecard zunehmend in die Kritik. Die Wirtschaftsprüfer bezeugen schließlich die Richtigkeit der Unternehmensbilanzen. Das wirft im Fall Wirecard die Frage auf: Warum hat EY Tricks und Mauscheleien nicht erkannt? Am heutigen Freitag stellte nun die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) deshalb Strafanzeige gegen zwei amtierende und einen ehemaligen Abschlussprüfer von EY.

Gerade die Existenz von Bankguthaben zu überprüfen, gehört laut SdK zu den leichteren Aufgaben eines Abschlussprüfers,  das Vorgehen sei klar geregelt. Da Medienberichten zu Folge für die Jahre 2016 bis 2018 keine Saldenbestätigungen bei den betreffenden Banken angefordert worden seien, habe sich die SdK zu diesem Schritt entschlossen.

Und damit nicht genug: Auch Softbank behält sich laut “Spiegel” vor, EY zu verklagen. In diesem Fall geht es um eine Wandelanleihe. Softbank hatte sich darüber an Wirecard beteiligt. Das Investment war an einen testierten Jahresabschluss geknüpft – diesen hat EY ausgestellt.

Wirecard: EU-Kommission schaltet europäische Finanzaufsicht ein

12.02 Uhr: Im Wirecard-Skandal schaltet die EU-Kommission jetzt die europäische Finanzaufsicht ESMA ein. Die Aufseher sollen den Zusammenbruch des Münchner Zahlungsdienstleisters und mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden unter die Lupe nehmen. Bis 15. Juli soll ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen. Dies geht aus einem Schreiben der Kommission an die ESMA hervor, das der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag.

Im Brief der EU-Kommission an die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) in Paris heißt es, nötig sei eine umfassende Beschreibung und Analyse der Ereignisse und eine Prüfung, ob die Reaktion der Aufsichtsbehörden angemessen gewesen sei. In Deutschland zuständig ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Die ESMA müsse sich den Vorfall unter dem Gesichtspunkt ansehen, dass EU-Anleger umfassend geschützt seien, wenn sie in Firmen investierten, die im regulierten Markt in der EU gelistet seien, heißt es in dem Schreiben. Das sei auch wichtig für mögliche weitere Schritte. Verfasst wurde der Brief von der zuständigen Generaldirektion für Finanzmarktstabilität der Kommission, gerichtet ist er an ESMA-Chef Steven Maijoor.

An der Börse war es wegen des Skandals zu Panikverkäufen gekommen. Wirecard-Aktien stürzten ab. Unter den Leidtragenden, die nun auf quasi wertlosen Papieren sitzen, sind sehr viele Kleinaktionäre.

Fahnder vermuten Ex-Wirecard-Vorstand in China

11.19 Uhr: Die Staatsanwaltschaft München sucht Jan Marsalek. Der ehemalige Wirecard-Vorstand ist untergetaucht. Gegen Marsalek liegt ein Haftbefehl vor, er gilt als Schlüsselfigur im Skandal um das Münchner Unternehmen. Jetzt gibt es eine neue Spur zu dem Ex-Vorstand: Er hält sich möglicherweise in China auf.

Nach Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste der frühere Wirecard-Vorstand am Dienstag in das südostasiatische Land ein und am Mittwoch über den Flughafen Cebu weiter nach China. Allerdings: Die Videoaufzeichnungen des Flughafens zeigen nicht, dass Marsalek das Land verlassen habe. Das sagte Justizminister Menardo Guevarra am Donnerstag dem Fernsehsender CNN Philippines.

Der Manager war im Wirecard-Vorstand für das operative Tagesgeschäft zuständig und am vergangenen Montag fristlos entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits seit Wochen gegen Marsalek, Ex-Vorstandschef Markus Braun und zwei weitere noch amtierende Vorstände wegen des Verdachts der Falschinformation von Anlegern.

Hedgefondsmanager: “Wirecard ist nicht zu retten”

10.31 Uhr: Christopher Hohn hält eine Wirecard-Sanierung für unmöglich. Der britische Hedgefondsmanager sagte gegenüber dem “Handelsblatt“: “Die Firma ist nicht zu retten.” Auch als Übernahmekandidat ist Wirecard aus Hohns Sicht nicht attraktiv: “Wirecard hat in meinen Augen keine Assets, die als Übernahmekandidat attraktiv wären. Alle Kunden werden zu anderen Anbietern wechseln. Und aus meiner Sicht hat Wirecard keine einzigartige Technologie, es gibt viele andere Wettbewerber.”

Hohn hat mit Wirecard-Leerverkäufen bereits 200 Millionen Dollar verdient. Durch den Skandal sieht er Leerverkäufer saniert. Shortseller spielen seiner Meinung nach eine wichtige Rolle, um Betrug ans Licht zu bringen.

Vorwürfe macht der Hedgefondsmanager anderen: den deutschen Aufsehern. “Ich frage mich, ob die deutschen Behörden der Firma nicht umgehend die Lizenz als Bank und Zahlungsdienstleister entziehen sollten”, sagte Hohn dem “Handelsblatt”. “Sie können die Firma nicht einfach weitermachen lassen, sondern müssen die Wirecard-Kunden und das deutsche Bankensystem schützen.” Und auch der Aufsichtsrat von Wirecard hat laut Hohn versagt: “Der Aufsichtsrat hat diese Machenschaften viel zu lange zugelassen. Der gesamte Aufsichtsrat hat versagt und sollte zur Verantwortung gezogen werden.”

Insolvenzverwalter Michael Jaffé kümmert sich um Wirecard

Freitag, 26. Juni, 09.09 Uhr: Der Anwalt Michael Jaffé ist vorläufiger Insolvenzverwalter bei Wirecard. Das Amtsgericht München teilte mit, Jaffé sei als Sachverständiger bestellt worden, um ein Gutachten über den Insolvenzantrag zu erstellen, das meldet “Reuters”.

Jaffe war als Insolvenzverwalter des zusammengebrochenen Medienkonzerns von Leo Kirch bekannt geworden. In gleicher Funktion wickelte er auch die Pleite des von Infineon abgespaltenen Speicherchip-Herstellers Qimonda ab. Derzeit ist Jaffé auch Insolvenzverwalter der Firma P&R, die Schiffscontainer in großem Stil als Anlageobjekt an 54.000 Investoren verkauft hatte. Ein großer Teil der Container existierte nicht, wie sich später herausstellte.

Wirtschaftsprüfer EY: Gehen von “schwerer Kriminalität in weltweitem Maßstab” aus

17.25 Uhr: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY geht im Wirecard-Skandal von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannenden Maßstab aus. “Es gibt deutliche Hinweise, dass es sich um einen umfassenden Betrug handelt, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielter Täuschungsabsicht beteiligt waren”, erklärte EY am Donnerstag in Stuttgart.

“Im Rahmen der Abschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2019 hat EY entdeckt, dass gefälschte Saldenbestätigungen und weitere gefälschte Unterlagen für die Treuhandkonten vorgelegt wurden.” EY habe das den zuständigen Behörden sowie dem Unternehmen und seinem Aufsichtsrat mitgeteilt.

“Konspirativer Betrug, der darauf abzielt, die Investoren und die Öffentlichkeit zu täuschen, geht oft mit umfangreichen Anstrengungen einher, systematisch und in großem Stil Unterlagen zu fälschen”, hieß es in der Mitteilung weiter. “Auch mit umfangreich erweiterten Prüfungshandlungen ist es unter Umständen nicht möglich, diese Art von konspirativem Betrug aufzudecken.”

EY ist eine der “großen Vier” unter den internationalen Buchprüfungsgesellschaften. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren die Wirecard-Jahresabschlüsse von Wirecard testiert. Deswegen ist nun auch EY mit scharfer Kritik konfrontiert, die mutmaßlichen Manipulationen nicht früher entdeckt zu haben.

Wirecard teilt mit: Hauseigene Bank wird von Insolvenz ausgenommen und abgekoppelt

14.12 Uhr: Der überschuldete Dax-Konzern Wirecard will die konzerneigene Bank vom angekündigten Insolvenzantrag ausnehmen. Die Bank sei “nicht Teil des Insolvenzverfahrens der Wirecard AG”, erklärte der Konzernvorstand am Donnerstag. “Die BaFin hat für die Wirecard Bank AG bereits einen Sonderbeauftragten eingesetzt.” Demnach wird die Wirecard-Bank organisatorisch und finanziell vom Mutterkonzern abgekoppelt: “Die Freigabeprozesse für alle Zahlungen der Bank werden zukünftig ausschließlich innerhalb der Bank und nicht mehr auf Gruppenebene liegen.”

Die Wirecard AG als Muttergesellschaft hingegen sieht wegen fehlenden Gelds derzeit keine Möglichkeit, den Betrieb nach dem 1. Juli ordnungsgemäß weiterzuführen: “Ohne eine Einigung mit den Kreditgebern bestand die Wahrscheinlichkeit der Kündigung und des Auslaufens von Krediten mit einem Volumen von 800 Millionen Euro zum 30. Juni 2020 und 500 Millionen Euro zum 1. Juli 2020”, hieß es in der Mitteilung. Die Fortführbarkeit des Unternehmens sei “nicht sichergestellt”.

Bankenverband versichert: Kunden der Wirecard Bank sind geschützt

14.00 Uhr: Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat Insolvenzantrag gestellt, dabei aber betont, noch zu prüfen, ob Tochtergesellschaften wie etwa die hauseigene Bank gleichziehen müssen. Wie am Donnerstagnachmittag bekannt wurde, wird die Bank von dem Verfahren ausgenommen und von Wirecard abgekoppelt.

Auf Anfrage von FOCUS Online teilte der Bundesverband deutscher Banken mit, dass die Entscheidung im Falle der Wirecard Bank sowieso bei der Finanzaufsicht Bafin gelegen hätte. Nur diese könne bei einer Bank die Insolvenz erklären. Daraufhin erfolge bei einer Bankenpleite zunächst ein Moratorium, welches der Bank Auszahlungen und Einzahlungen verbietet. Nachfolgend wird über das weitere Insolvenzverfahren – Insolvenz oder Abwicklung – entschieden.

Die Einlagen der Kunden bleiben dabei indes geschützt, versicherte der Verband, zu dem auch die Wirecard Bank gehört. Neben der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde würde auch der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken greifen, und zwar pro Kunde um mindestens 15 Prozent des haftenden Eigenkapitals. Im Falle der Wirecard Bank wären das gemäß des letzten Offenlegungsberichts über 20 Millionen Euro pro Kunde.

Wie der Bankenverband darüber hinaus anmerkte, werden Kunden informiert, falls es zu einem Fall für die Einlagensicherung wird. Das Geld würde dann in sieben Werktagen bereitgestellt werden.

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