Xavier Naidoo unerwünscht: Wie Städte seine Konzerte boykottieren

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Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) sagt es sehr deutlich: „Wir wollen Xavier Naidoo nicht in unserer Stadt und auch nicht jene Anhänger seiner Musik, die seine Positionen teilen.“ Frank Bussmann, Pressesprecher der Ruhr-Metropole, formuliert es etwas diplomatischer: „Für die Stadt Dortmund ist ein Konzert des Musikers Xavier Naidoo im Westfalenpark nicht vereinbar mit ihrem Charakter einer weltoffenen, vielfältigen und toleranten Stadt.“

Die Botschaft der beiden Statements bleibt aber dieselbe: Wenn es nach den Verantwortlichen der Stadt geht, soll Xavier Naidoo nicht am 5. September 2020 im Dortmunder Westfalenpark auftreten. Der Sänger überschreitet immer häufiger die Grenze des moralisch Vertretbaren. In den letzten Wochen irritierte er mehrmals mit wirren antisemitischen und rechtsextremen Aussagen im Netz. Vor einigen Tagen zweifelte er auch noch das Coronavirus an. “Bringt uns verdammt nochmal Beweise, dass dieses Ding echt ist”, sagte Naidoo in einem neuen Video und teilte dabei gegen die Bundesregierung aus.

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Sender und Kollegen disanzieren sich von Naidoo

Naidoos öffentliches Ansehen sinkt derweil unaufhaltsam. RTL schmiss ihn im März aus der „DSDS“-Jury, ProSieben verkündete, dass der „Sänger mit dem Aluhut“ nie wieder in einer Show des Senders zu sehen sein werde. Sogar Naidoos ehemalige Band-Kollegen von „Die Söhne Mannheims“ distanzieren sich von ihm, sprachen sich in einem Facebook-Statement gegen Rassismus aus.

Wie Naidoos Heimatstadt Mannheim mit dem umstrittenen Künstler in Zukunft umgeht und ob weiter Naidoo-Konzerte in Mannheim stattfinden könnten, wollen die Verantwortlichen auch bei wiederholter Nachfrage von FOCUS Online nicht konkret beantworten. Stattdessen lässt Pressesprecher Ralf Walther wissen, die Stadt Mannheim habe keinerlei Beziehung zu Naidoo. “Wir haben uns in der Vergangenheit aus den genannten Gründen mehrmals öffentlich distanziert. Die Stadt Mannheim steht ganz in der Tradition der Völkerverständigung und gegen Fremdenfeindlichkeit. Die wiederholten Äusserungen von Xavier Naidoo widersprechen diesen Grundwerten zutiefst.”

Und weiter: „Die Mannheimer Stadtgesellschaft und die Stadtverwaltung haben immer wieder Fremdenhass eine klare Absage erteilt. In diesen Tagen wurde besonders deutlich, dass Hass auf Gruppen am Ende Gewalt erzeugt. Die neuerlichen Äußerungen von Xavier Naidoo widersprechen zutiefst den Grundwerten, für die wir als Stadt stehen.“

„Jetzt ist eine Grenze überschritten“

Neben Dortmund haben noch andere Städte, in denen dieses Jahr Naidoo-Konzerte geplant sind, über einen Boykott des 48-Jährigen diskutiert. Beispiel Mainz: Dort reagierten die Macher des „Summer in the City“-Festival bereits Mitte März „entsetzt“ über ein Video, in dem der Sänger über Flüchtlinge hetzt. „Jetzt ist eine Grenze überschritten“, sagt Citymarketing-Chef August Moderer damals. „Einen derartigen Auftritt braucht’s in Mainz im Sommer nicht“, kommentiert FDP-Kreisvorsitzender David Dietz auf Facebook den Eklat.

Fest steht: Naidoo wird in Mainz definitiv nicht auftreten – allerdings aufgrund der Corona-Krise, wegen der bis zum 31. August alle Großveranstaltungen in Deutschland untersagt worden sind. So ist Städten wie Hof, Kassel oder Rostock, die öffentlich ein Auftrittsverbot für Naidoo diskutiert haben, die Entscheidung ebenfalls durch das Virus abgenommen worden.

Dortmund setzt auf Einsicht des Veranstalters

Doch wie will die Stadt Dortmund die Absage duchsetzen, falls im September Konzerte wieder möglich sind? In einer Pressemitteilung heißt es, man spreche mit dem Veranstalter, der den Westfalenpark für dieses Konzert angemietet hat, wie sich eine Absage „am besten regeln“ lasse. Man setze bei der Stadt darauf, dass der Vertragspartner die Auffassung der Stadt teile und eventuell einen Ersatz-Künstler für den Termin am 5. September anbiete.

Einfach verbieten kann Dortmund das Konzert von Naidoo nämlich nicht, wie Rechtsanwalt Christian Solmecke gegenüber FOCUS Online erklärt: „Xavier Naidoo kann sich auf seine Kunst- und Meinungsfreiheit berufen. Seine Konzerte fallen als künstlerische Darbietungen unter die grundrechtlich geschützte Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG. Ebenso hat er aufgrund der Meinungsfreiheit in Art. 5 Abs. 1 GG das Recht, seine politischen Ansichten auf den Konzerten frei zu äußern“, so der Jurist. Damit die Grundrechte eingeschränkt werden können, müssten hohe Anforderungen erfüllt sein. „Naidoos fragwürdige politische Äußerungen rechtfertigen nicht den weitreichenden Grundrechtseingriff eines Konzertverbots“, meint zumindest Solmecke.

Konzertverbot nur bei konkreter Gefahr

Eine Möglichkeit für Städte, ein Konzert zu verbieten, ist laut Solmecke die Berufung auf das allgemeine Polizei– und Ordnungsrecht. „Besteht zum Beispiel die konkrete Gefahr, dass bei einem Konzert Gesetzesverstöße begangen werden, ist ein Verbot unter Umständen gerechtfertigt. Dies steht häufig zum Beispiel bei Rechtsrockkonzerten in der Diskussion. Dabei besteht die Gefahr, dass sich die Künstler zum Beispiel wegen Volksverhetzung strafbar machen“, erklärt Solmecke.

Dies dürfte im Fall Naidoo jedoch eher unwahrscheinlich sein. Dass sich der Konzertveranstalter in Dortmund auf eine Streichung des Auftritts einlässt, ist nicht nur deshalb zweifelhaft. Schließlich befindet sich die Eventbranche durch die Corona-Krise schon in großen Schwierigkeiten. Ein Konzert des polarisierenden Sängers käme da im September möglichweise gerade recht.

Im Video:

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